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Papst warnt vor Gleichgültigkeit : Kirchen werben für andere Flüchtlingspolitik

  • Aktualisiert am

Franziskus beim Angelus-Gebet nach der Neujahrsmesse Bild: AFP

Zum Jahresbeginn warnt Papst Franziskus vor Gleichgültigkeit gegenüber der Gewalt in vielen Teilen der Welt. Die deutschen Bischöfe kritisieren die Debatte über Armutseinwanderung.

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          Papst Franziskus hat in Rom vor zehntausenden Pilgern zu Beginn des neuen Jahres zum Einsatz für eine gerechtere Welt und den Frieden ermutigt. „Wir sind aufgerufen, uns der Gewalt und Ungerechtigkeiten in vielen Teilen der Welt bewusst zu werden, denen wir nicht gleichgültig und tatenlos gegenüberstehen können“, sagte Franziskus am Mittwoch beim Angelus-Gebet nach der Neujahrsmesse auf dem Petersplatz.

          „Jeder von uns muss sich einbringen, damit wir eine wirklich gerechte und solidarische Gesellschaft schaffen können.“ Es gelte, allen Versuchungen von Rache, Überheblichkeit und Korruption zu widerstehen. Wahrer Frieden erfordere Sanftmut und die gewaltfreie Kraft der Wahrheit und der Liebe. Damit solle jeder in seiner persönlichen Umgebung beginnen. Die römisch-katholische Kirche begeht den 1. Januar als Weltfriedenstag, Die Initiative geht zurück auf Papst Paul VI.

          In Deutschland äußerten sich Vertreter beider großer Kirchen zum Jahreswechsel insbesondere zur Flüchtlings- und Einwanderungspolitik. Der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm aus Bayern brachte seine Sorge zum Ausdruck über die aktuelle politische Diskussion über Armutseinwanderung aus Bulgarien und Rumänien und die seit dem 1. Januar bestehende Niederlassungsfreiheit für Bürger beider Länder in der EU.

          Probleme, die es in bestimmten Fällen gebe, dürften nicht pauschal auf eine ganzes Volk übertragen werden. „Wir haben keinen Grund, aus der Angst zu leben, dass uns etwas genommen wird“, sagte Bedford-Strohm angesichts des hohen Wohlstandsniveaus Deutschlands im europäischen Vergleich.

          Zollitsch warnt vor überholten Nationalismen

          Volker Jung, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau äußerte, die neue Situation „bietet für Deutschland, das Zuwanderung braucht, mehr Chancen als Risiken“. Diese Chancen gelte es zu nutzen „durch Förderung der Integration und möglichst schnellen Zugang zum Arbeitsmarkt“. Er schätzt das Risiko des Missbrauchs von Sozialleistungen „gegenüber den Chancen als gering“ ein.

          „Durch die Zuwanderung können viele leistungsbereite und zum Teil auch gut qualifizierte Menschen für unsere Gesellschaft gewonnen werden“, sagte Jung. Der Berliner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki sagte zur Flüchtlingsdebatte in der EU, man dürfe südeuropäische Mitgliedstaaten wie Italien und Griechenland nicht mit Belastungen alleine lassen. In der Flüchtlingsfrage seien bessere Antworten nötig „als nur schärfere Grenzkontrollen“.

          Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Apostolische Administrator des Erzbistums Freiburg, Robert Zollitsch, warnte vor einem Rückfall Europas in überholte Nationalismen. Die evangelische Landesbischöfin Ilse Junkermann aus Mitteldeutschland sagte dem Evangelischen Pressedienst, es sei ein Skandal, dass Europa nicht die Menschenwürde zur Grundlage für seine Flüchtlingspolitik mache, sondern wirtschaftliche Interessen maßgebend für die Grenzpolitik seien. Sie forderte den „politischen Willen zu einer strukturierten Einwanderungspolitik“.

          Der norddeutsche Landesbischof und Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, Gerhard Ulrich, nannte Europa eine „Festung mit Stacheldraht und nun auch mit einem Hightech-Programm, das Flüchtlinge aufspürt“. Ulrich fragte, wie viele Menschen noch sterben müssten, „bevor wir eingreifen und die Ursachen beseitigen von Flucht und Hunger“.

          Die evangelischen Bischöfe legten in ihren Predigten zum Jahreswechsel zudem die Jahreslosung für 2014 aus. Sie ist dem 73. Psalm entnommen und lautet, „Gott nahe zu sein, ist mein Glück“. Landesbischof Ulrich sagte dazu: „Hör auf, immer mehr Glück aus dir selbst herausholen zu wollen – und dabei auch immer mehr von anderen Menschen zu fordern, die dich glücklich machen sollen.“

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