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Papst-Wahl : Drei Parteien im Konklave

  • -Aktualisiert am

Die Konklave-Vorbereitungen sind abgeschlossen Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die Papst-Wahl beginnt und die Gerüchteküche brodelt. Wird es ein Glaubensstrenger, ein Reformer oder einer, der die Basis der Kirche stärken will? Zumindest zwei Kandidaten halten stabile Werte an den Gerüchtebörsen.

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          Morgen früh zur Wahlmesse, wenn im Petersdom die 115 wahlberechtigten Kardinäle den Heiligen Geist anrufen werden, dürfen die Gläubigen noch dabeisein. Am Nachmittag dann, wenn der erste Wahlgang beginnt, wird der Vatikan für alle Außenstehenden abgeschlossen sein - auf lateinisch: „cum clave“.

          Der Gerüchte gibt es seit Wochen viele. War in den vergangenen Jahren oft davon die Rede, der afrikanische Kurienkardinal Francis Arinze aus Nigeria könne der erste schwarze Papst werden, sind diese Gerüchte jetzt verstummt. Stabile Werte an den Gerüchtebörsen erhalten hingegen zwei weiße Purpurträger, Joseph Ratzinger und Dinonigi Tettamanzi.

          Von intellektueller Statur

          Mit gutem Grund: Der 78 Jahre alte Dekan des Kardinalskollegiums ist zwar deutscher Professor, vereint aber fast alle Wunscheigenschaften - auch wenn seine Seelsorgeerfahrung in München zwei Jahrzehnte zurückliegt und seine Vorstellungen von Disziplin für Außenstehende zuweilen katholische Wärme vermissen lassen. Davon hat der 70 Jahre alte rundlich-freundliche Mailänder Erzbischof Dionigi Tettamanzi mehr als genug: Er war Bischof von Genua, Sekretär der italienischen Bischofskonferenz und ist jetzt Chef der größten katholischen Diözese.

          Tettamanzi hat intellektuelle Statur, der Professor für Moraltheologie war Mitautor der Enzykliken Johannes Pauls II. zur Bioethik. Daß ihm internationale Erfahrung fehlt, hat er damit auszugleichen versucht, daß er in Genua die Pforten des Bistums für die Globalisierungskritiker von Attac weit offen hielt. Zugleich pflegt er auch die Kontakte zur konservativen Truppe des „Opus Dei“.

          Einigung auf Koalitionen

          Ratzinger oder Tettamanzi, das wäre eine denkbare Wahl: hie ein Vertreter der Zentrale - Ratzinger gilt längst eher als Römer denn als Deutscher -, dort ein solider Seelsorger. Der Deutsche steht für intellektuelle und moralische Stringenz, der Mailänder hat Erfahrungen mit den Problemen einer multikulturellen Diözese im Herzen der städtischen Moderne gemacht. Gerüchten zufolge gab es im Präkonklave - im bis heute halböffentlichen Wahlkampf - eine Unterschriftensammlung von vierzig oder sogar fünfzig Kardinälen für einen Papst Ratzinger. Widerstände werden unter jenen deutschen und amerikanischen Kardinälen vermutet, mit denen der Glaubenshüter in den letzten Jahrzehnten am meisten Ärger hatte.

          Für die notwendige Zweidrittelmehrheit reiche es wohl nicht, heißt es. Ratzinger stelle sich aber nur zur Wahl, wenn er auf mehr als der Hälfte der Wahlberechtigten zählen könne - das wären 59 Kardinäle. Die nämlich würden zur Not, allerdings erst nach dem 33. Wahlgang, zur Papstwahl reichen. Sollte sich freilich das Konklave so lange hinziehen, gäben die Kardinäle vor aller Welt das Zeichen einer gespaltenen Kirche. So ist es wahrscheinlicher, daß die Wahlmänner sich auf Koalitionen einigen, die für eine Zweidrittelmehrheit taugen.

          Identität, Solidarität, Kollegialität

          Sollte das Konklave also weder allzu kurz (zwei Tage) noch allzu lange (gut zwei Wochen) dauern, muß man die unerklärten Parteien im Konklave kennen: Seilschaften, die sich wechselseitig beraten oder wählen können. Schematisch gesprochen, gibt es drei Parteien im Konklave. Nennen wir sie die Partei der Identität, die Partei der Solidarität und die Partei der Kollegialität. Sie alle haben das Problem des Dialogs mit der nichtkatholischen Welt, das sie unterschiedlich angehen: Die Verteidiger der Identität des Abendlandes sehen im Islam eine äußere Bedrohung; die kollegialen Reformer begegnen ihm innerhalb der westlichen Gesellschaften; und für Bischöfe der Dritten Welt, die die Solidarität der reichen Kirche des Nordens einklagen, steht die Konfrontation mit den evangelischen und (in Afrika und Asien) auch islamischen Fundamentalisten im Vordergrund.

          Die Partei der Identität oder der Orthodoxie sieht die Grundlagen der abendländischen Zivilisation bedroht, wenn sich die katholische Kirche (nach protestantischem Vorbild) noch weiter an die säkulare Kultur Europas anpaßt. Auch um den Preis, Mitglieder und öffentlichen Konsens zu verlieren, müsse die katholische Christenheit vielmehr zu ihren klaren, unverrückbaren Grundsätzen zurückfinden. Will das Gottesvolk nicht zwischen Fundamentalisten aus dem muslimischen oder evangelikalen Lager zerrieben werden oder sich in seichter Life-style-Spiritualität verlieren, müsse sie sich in Treue um den Papst zusammenschließen: Der Gehorsam dem Papst gegenüber sei das A und O des Katholizismus.

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