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Papst-Vorlesung : Zentralrat der Muslime fordert Entschuldigung

  • Aktualisiert am

Der Papst bei seiner Rede an der Universität Regensburg Bild: dpa

Wegen seiner Äußerungen über den Propheten Mohammed und die Gewalt in der Religion solle sich Benedikt XVI. entschuldigen, fordert nun auch der Zentralrat der Muslime in Deutschland. Während Grünen-Politiker die Worte Benedikts kritisieren, verteidigt Bundeskanzlerin Merkel den Papst.

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          Der Zentralrat der Muslime in Deutschland hat Papst Benedikt XVI. aufgefordert, sich für seine umstrittenen Äußerungen über den Islam zu entschuldigen. „Ich habe eine viel zu hohe Meinung von der Intellektualität dieses Mannes, als daß ich glauben kann, dass er einen historischen Text in den Raum stellt und sich dann nicht davon zu distanzieren vermag“, sagte der Präsident des Zentralrats, Ayyub Axel Köhler, dem Magazin „Focus“ laut Vorabbericht vom Samstag. Der Papst habe in seiner Rede in Regensburg in puncto Gewalt und Rolle der Vernunft in der Religion das Christentum über den Islam gestellt. Dafür solle er sich entschuldigen. Es sei zudem eine Gelegenheit für eine umfassende Entschuldigung der katholischen Kirche bei allen Moslems „für Kreuzzüge, Zwangsbekehrungen und Vertreibungen“, fügte Köhler hinzu.

          Der Grünen-Politiker Cem Özdemir hat sich besorgt um die möglichen Folgen des Streits geäußert. Die Worte des Pontifex über den islamischen Propheten Mohammed seien „ungeschickt“ gewesen, sagte Özdemir der „Frankfurter Rundschau“ vom Samstag. Mit seinen Äußerungen habe der Papst womöglich „falsche Loyalitäten“ geschaffen. Die Forderungen nach einer Entschuldigung seien aber überzogen, erklärte der deutsche Europa-Abgeordnete. Stattdessen forderte er die Türkei auf, „gerade jetzt am Besuch des Papstes festzuhalten und dabei das Gespräch zu suchen“.

          Die Äußerungen Benedikt XVI. haben in der islamischen Welt einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Die Islamische Konferenzorganisation OIC, der 57 Staaten angehören, warf dem Oberhaupt der katholischen Kirche eine „Verleumdungskampagne“ gegen den Islam vor. In verschiedenen Ländern sprachen Religionsvertreter am Freitag von Beleidigung und Gotteslästerung und forderten eine Entschuldigung des Vatikans. Während Bundeskanzlerin Angela Merkel den Papst gegen die Kritik verteidigte, äußerte der Grünen-Politiker Volker Beck Verständnis für die muslimischen Reaktionen.

          OIC: Prolog für eine neue Politik

          Die Welle der muslimischen Empörung folgt neun Monate nach dem Beginn gewaltsamer Proteste wegen der Veröffentlichung von Mohammed- Karikaturen in einer dänischen Tageszeitung. Die OIC kritisierte auf einer Tagung im saudi-arabischen Dschidda, der Papst habe Mohammed als „böse und unmenschlich“ dargestellt. In einer Erklärung heißt es: „Die OIC hofft, daß diese Kampagne nicht der Prolog für eine neue Politik des Vatikans gegenüber dem Islam ist, besonders nach den vielen Jahrzehnten des Dialoges, der die Kleriker des Vatikans und die führenden Denker und Religionsgelehrten der Muslime einander näher gebracht hat.“

          Die ägyptische islamische Arbeitspartei attackierte den Papst und rief zu Protesten auf. Die Partei erklärte: „Wacht auf, Muslime, der Papst beleidigt den Propheten und bezeichnet den Islam in seiner Ahnungslosigkeit als möglichen Feind.“ Die radikale ägyptische Moslembruderschaft verlangte eine Entschuldigung. Benedikt XVI. gieße „Öl aufs Feuer“. Ein iranischer Kleriker und Mitglied des höchsten islamischen Gremiums des Landes bezeichnete die Papst-Äußerungen als „unerhört“.

          Resolution des Parlaments in Pakistan

          Das pakistanische Parlament verabschiedete einstimmig eine Resolution, in der es heißt, die Äußerungen Benedikts verletzten die Gefühle der Muslime, erzeugten eine Kluft zwischen den Religionen und stellten einen Verstoß gegen die UN-Menschenrechtskonvention dar. Die Parlamentarier forderten eine Zurücknahme der Worte.

          Muslimische Gelehrte in Indien kritisierten die Äußerungen des Papstes als „unverantwortlich“ und „blasphemisch“. Im mehrheitlich muslimischen indischen Bundesstaat Jammu und Kaschmir beschlagnahmten Polizisten vorsorglich Tageszeitungen, in denen über die Äußerungen berichtet wurde, um Unruhen zu verhindern. Dennoch kam es zu Protestdemonstrationen. Der Großmufti in Syrien forderte Benedikt auf, seine kritischen Äußerungen zum Islam zu klären.

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