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Papst untersagt Konfliktberatung : Kamphaus will im Amt bleiben

  • Aktualisiert am

Bischof Franz Kamphaus: Kein Alleingang möglich Bild: dpa-Bildfunk

Das Bistum Limburg steigt auf Druck des Vatikans aus der staatlichen Konfliktberatung von Schwangeren aus.

          Nach jahrelangem Streit um die gesetzliche Schwangerenberatung hat Papst Johannes Paul II. nun auch dem letzten deutschen Bischof Franz Kamphaus untersagt, in seinem Bistum weiter die für eine straffreie Abtreibung nötigen Beratungsscheine ausstellen zu lassen. Die Deutsche Bischofskonferenz begrüßte, dass es nun eine einheitliche Regelung für Deutschland gebe.

          Der Papst habe den Limburger Weihbischof Gerhard Pieschl beauftragt, diese Verfügung so rasch wie möglich umzusetzen, teilte der angeschlagen wirkende Bischof Kamphaus am Freitag in Limburg mit. Er sei über diese Entscheidung sehr traurig, werde aber im Amt bleiben. „Es ist leicht, mit einem großen Auftritt abzutreten und als Held, Märtyrer oder Rebell die Bühne zu verlassen. Das ist aber nicht mein Ding“, betonte der 70-Jährige, der in seinem Bistum ausgesprochen beliebt ist.

          Liberalster deutscher Bischof

          Kamphaus gilt als liberalster Vertreter der katholischen Bischöfe in Deutschland. Als Einziger hielt er 1999 gegen den ausdrücklichen Willen des Papstes daran fest, in seiner Diözese schwangere Frauen in Konfliktsituationen weiter nach den gesetzlichen Vorgaben zu beraten und ihnen auf Wunsch auch den Beratungsschein auszustellen.

          Nach anfänglicher Kritik duldete der Vatikan diese Praxis bis Ende 2001. Danach sollten die Ergebnisse der Sonderregelung überprüft und eine Entscheidung über die Zukunft der Schwangerenberatung in Limburg getroffen werden. Der Papst betrachtet die Ausstellung der Beratungsscheine als Beihilfe zur Abtreibung, die von der katholischen Kirche als „verabscheuungswürdiges Verbrechen“ verurteilt wird.

          „Papst trägt die Entscheidung“

          „Ich respektiere die Gewissensentscheidung des Papstes, kann sie aber persönlich nicht nachvollziehen. Ich muss sie hinnehmen“, sagte Kamphaus. „Der Papst trägt die Verantwortung für diese Entscheidung, die nicht die meine ist, in aller Form.“ Er habe sich lange überlegt und dem Vatikan auch mehrfach angeboten, sich auf eine Pfarrersstelle zurückzuziehen. Dies habe der Papst jedoch abgelehnt. Daher werde er im Amt bleiben.

          Außerdem habe er das Bistum in eine schwere Krise hineingeführt und wolle es jetzt nicht im Stich lassen. „Das kann ich nicht verantworten. Um der Frauen willen darf ich das nicht tun“, erklärte Kamphaus. „Ich bin angeschlagen, aber ungebrochen in der Bereitschaft, Frauen in Not so weit wie möglich weiterzuhelfen.“

          Bis zuletzt auf anderen Ausgang gehofft

          Grundsätzlich sei er mit dem Papst einer Meinung, sagte Kamphaus. „Wie er verurteile ich die Abtreibung. Es ist ein Skandal, dass in der reichen Bundesrepublik 130.000 Kinder pro Jahr abgetrieben werden. Die Frage ist nur, welchen Weg man geht, um möglichst vielen Kindern das Leben zu schenken.“ Er sei nach wie vor überzeugt, dass über den Verbleib in der gesetzlichen Beratung mehr Kinder gerettet werden könnten als durch einen Ausstieg.

          Er habe auch gesehen, dass in den anderen Bistümern seit deren Ausstieg eine Konfliktberatung nur noch in Einzelfällen möglich sei, weil die betroffenen Frauen schlicht wegblieben. „Ich hatte bis zuletzt auf einen anderen Ausgang gehofft“, sagte Kamphaus.

          Den Brief des Papstes mit der neuen Verfügung des Ppstes habe er am Donnerstag aus Rom erhalten. Der Papst entziehe ihm damit die Verantwortung für den Bereich der Schwangerenberatung. Eine solcher Eingriff in das Bistum sei in der katholischen Kirche möglich, auch wenn er sehr selten geschehe. Für die Schwangerenberatung werde künftig Weihbischof Pieschl zuständig sein, der sich bereits früher schon gegen den Verbleib in der staatlichen Beratung ausgesprochen hatte.

          Die Deutsche Bischofskonferenz erklärte, mit der Verfügung des Papstes finde ein langer und schwieriger Prozess seinen Abschluss. „Ich freue mich, dass unser Mitbruder Franz Kamphaus trotz der für ihn schmerzlichen Entscheidung Bischof von Limburg bleibt“, erklärte der Vorsitzende der Konferenz, der Mainzer Kardinal Karl Lehmann.

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