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Nach dem Rücktritt Benedikts XVI. : Vatikan bereitet das Konklave vor

  • Aktualisiert am

Der Vatikan ist ohne Papst, sichtbar auch auf den Postsendungen des Stadtstaates. Bis zur Wahl von Benedikts Nachfolger tragen Postsendungen Schriftzug und Wappen der Sedisvakanz Bild: AFP

Nach dem Amtsverzicht von Papst Benedikt XVI. kommt es an diesem Montag zu der ersten Zusammenkunft der mehr als 200 Kardinäle während der Sedisvakanz. Womöglich wird der Beginn des Konklaves zur Papstwahl vorgezogen.

          Nach dem Amtsverzicht von Papst Benedikt XVI., der am Donnerstagabend wirksam wurde, hat der Dekan des Kardinalskollegiums, Kardinal Angelo Sodano, die mehr als 200 Kardinäle für kommenden Montag zu der ersten Zusammenkunft während der Sedisvakanz einberufen. Wie es am Freitag weiter hieß, sollen die Generalkongregationen so lange fortgesetzt werden, bis alle etwa 115 Kardinäle in Rom eingetroffen sind, die jünger als achtzig Jahre und damit zur Wahl des Papstes berechtigt sind.

          Sobald die Papstwähler in Rom eingetroffen sind, kann in einer Generalkongregation darüber abgestimmt werden, wann die eigentliche Papstwahl beginnen soll. Nach den bisherigen Regeln muss das Konklave frühestens am 15. und spätestens am 20. Tag nach dem Beginn der Sedisvakanz beginnen. In einer seiner letzten Amtshandlungen stellte Papst Benedikt es den Kardinälen anheim, den Beginn des Konklaves vorzuziehen. Unter den Kardinälen sind die Meinungen geteilt: Die Befürchtung der einen, je mehr Zeit vor dem Konklave vergehe, desto schonungsloser werde über den Zustand der Kirche im allgemeinen und den der Kurie im besonderen gesprochen, ist die Hoffnung der anderen.

          Benedikt verbringt „geruhsame Nacht“

          Die Übergangszeit der Sedisvakanz („leerer Stuhl Petri“) begann am Donnerstagabend um 20  Uhr mit dem Rücktritt von Benedikt. Nach knapp acht Jahren im Amt hatte der 85-Jährige am 11. Februar seinen Rücktritt verkündet und ihn mit seinen schwächer werdenden Kräften begründet. Der Deutsche ist der erste Papst der Neuzeit, der von seinem Amt zurückgetreten ist. Benedikt genießt seinen Ruhestand in der Sommerresidenz des Vatikans in Castel Gandolfo, wo er die kommenden zwei Monate verbringen wird.  Er habe nach seinem Rücktritt als Papst eine geruhsame erste Nacht verbracht, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. „Ich habe mit seinem Sekretär Georg telefoniert (...) und er hat mir gesagt, dass er sehr gut geschlafen hat.“ Am Freitag wollte Benedikt vor allem beten, nachdenken und die Nachrichten lesen, die er bekommen habe, am Nachmittag dann vielleicht einen Spaziergang im Park des Palastes machen.

          Er hat nach Angaben von Lombardi viele seiner Bücher und Musik mit nach Castel Gandolfo genommen. Im Frühjahr will Benedikt in ein Kloster im Vatikan umziehen, das momentan für ihn umgebaut wird.

          Auch auf dem Twitter-Account des Papstes herrscht seit Donnerstagabend der „leere Stuhl“. Im Kanal „Profilbild des 85-jährigen Deutschen durch das Symbol des Heiligen Stuhles ersetzt und der Name in „Sede vacante“ geändert. Alle Tweets von Benedikt wurden archiviert. Der Account soll zunächst ruhen, bis der neue Papst entschieden hat, ob er auf dem gleichen Kanal weiter twittern möchte. Am Donnerstag hatte der Account drei Millionen Follower erreicht. Als symbolisches Zeichen für das Ende von Benedikts Pontifikat war am Donnerstagabend um 20.00 Uhr das Portal der Residenz in Castel Gandolfo geschlossen worden. Zuvor war Benedikt mit einem Hubschrauber vom Vatikan aus in das kleine Städtchen am Albaner See geflogen und hatte als letzte öffentlichen Amtshandlung die Gläubigen von der Loggia des Palastes aus gegrüßt.

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