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Papst-Rede im Bundestag : Die Würde der Erde

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Bild: reuters

Es war angemessen, den Papst im Deutschen Bundestag über Würde und Recht und deren Herkunft sprechen zu lassen. Der Auftritt Benedikts XVI. war ein Jahrhundertereignis. Er hat auch seinen Widersachern ein Wort an die Hand gegeben.

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          Die Erde trägt selbst ihre Würde in sich, und wir müssen ihren Weisungen folgen.“ Dieses Wort wird bleiben - schon allein deswegen, weil Papst Benedikt XVI., ein gelehriger Schüler der Menschenfischer von Petrus bis Johannes Paul II., darauf vertrauen kann, dass die jugendlichste politische Bewegung, die Ökologen und Grünen, es fortan weitertragen wird.

          Denn in dem Staat, der mit seinem ersten Grundgesetzartikel Rechtsgeschichte geschrieben und eine Rechtsgemeinschaft mit den einst von Totalitarismen unterdrückten Völkern Europas und darüber hinaus angestoßen hat, ist die Erweiterung der Menschenwürde zur Würde der Erde, ein intellektuell belebender Zug. Damit hat Benedikt gerade jenen politischen Kräften, die meinten, über Kirche (zumal die katholische) und Papsttum erhaben zu sein, ein Wort an die Hand gegeben, mit dem sie für sich werben, auch ihre Widersacher ins Unrecht setzen, dessen Verkünder sie aber nicht mehr so einfach verachten können.

          Es war angemessen, im Deutschen Bundestag, dem Ort der Volksvertretung und der Gesetzgebung, über Würde und Recht sowie deren Herkunft zu sprechen. Natürlich ist jemand, der für sich die oberste Verantwortung für die katholische Christenheit in Anspruch nehmen kann, kein Staatsoberhaupt wie viele andere, die bereits im Bundestag gesprochen haben und in den nächsten Jahren sprechen werden.

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          Ein Jahrhundertereignis

          Der Auftritt eines geborenen Deutschen als Repräsentant eines ausländischen Staates, der in seiner Muttersprache seine Landleute auffordert, ein „hörendes Herz“ zu haben, ist ein - um das Mindeste zu sagen - Jahrhundertereignis. Die Politik darauf zu verpflichten, ein „Mühen um Gerechtigkeit zu sein und so die Grundvoraussetzung für Frieden zu schaffen“, kann ohnehin kein anderer weltlicher Gast, ohne anmaßend zu wirken.

          Angesichts dieser Botschaften könnte man staunen, wieso der Papst als Redner im Parlament von vornherein so viel Ablehnung hervorgerufen hat. Doch das ist im Land des religiösen und permanent politischen Protestantismus sowie des weit entfalteten Individualismus eigentlich keine Überraschung.

          Unter den Weghörenden sind viele, die lediglich ihre eigene Verunsicherung auf den Papst und seine Kirche abladen, um sich nicht ihre Hilflosigkeit gegenüber der Welt insgesamt eingestehen zu müssen. Wenn ihnen das hilft, dann wird gerade der Bischof von Rom Verständnis für ihre selbstentlastenden Proteste gehabt haben.

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