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Katholische Kirche : Vertrauenskrise gilt nicht

Papst Franziskus während der Generalaudienz auf dem Petersplatz am 26. Oktober 2022 Bild: AP

Wer sich nach eigenen Angaben zu alt fühlt, kann mit dem Verständnis des Papstes rechnen. Bis es so weit ist, können Bischöfe aber mehr oder weniger tun und lassen, was sie wollen – ohne dass Franziskus ihrem Treiben ein Ende setzte.

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          Sage noch einer, Papst Franziskus habe kein Verständnis dafür, dass es gute Gründe geben könnte, dass ein Bischof vor dem Erreichen der Altersgrenze von 75 Jahren sein Amt aufgeben möchte. Doch wie der Fall des Bamberger Erzbischofs Ludwig Schick zeigt, ist Franziskus ein wenig wählerisch.

          Auf päpstliche Zustimmung zählen kann man offenkundig, wenn man mit 73 Jahren sagt, dass man die anstehenden Aufgaben einem Mann überlassen möchte, der noch zehn Jahre lang Verantwortung tragen wird.

          Schlechte Karten hat dagegen ein Erzbischof, wenn er wie Stefan Heße (Hamburg) jünger ist und in noch jüngerem Alter dann und wann im Umgang mit Missbrauchstätern und Betroffenen fünf hatte gerade sein lassen: Rücktritt abgelehnt.

          Versagen einer ganzen Bischofsgeneration

          Auch ein Amtsverzicht mit Zeichencharakter angesichts des kollektiven Versagens einer ganzen Bischofsgeneration, wie der Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx sein Angebot verstanden wissen wollte, konnte den Papst nicht überzeugen.

          Bleibt noch das nicht ganz freiwillig zustande gekommene Rücktrittsangebot von Marxens Kölner Gegenspieler Woelki. Der könnte dem Papst sagen, was dieser auch selbst weiß: Dass die „Vertrauenskrise“, die Franziskus im vergangenen Jahr in Köln diagnostiziert hatte, kein Ende nimmt. Doch ob ein solches Argument jemals verfangen wird, weiß der Mann in Weiß allein.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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