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Die Reformen von Papst Franziskus : Umbau im Vatikan

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Ruhelos: Papst Franziskus im Innenhof des apostolischen Palastes im Vatikan Bild: dpa

Eine Sommerpause hat er sich nicht gegönnt, im Gegenteil: Papst Franziskus treibt seine Reform der Kurie voran und hat einige Posten neu besetzt. Um die Kirchenfinanzen kümmert sich nun ein ehemaliger Rugby-Profi.

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          Der Sommer endet, und der 77 Jahre alte Papst hatte keine Sommerferien. Er ließ zwar einige Wochen die Generalaudienzen und großen Morgenmessen im Gästehaus ausfallen. Sonst hielt ihn nicht allein seine Reise nach Südkorea und sein Einsatz gegen den Krieg im Irak von Tagen der Muße ab. Er unterstützte mit Nachdruck die Neuorganisation der Finanzen im Vatikan durch George Kardinal Pell und das Wirtschaftssekretariat, und natürlich nimmt er Anteil an der Vorbereitung der Familiensynode: Er wolle ein klares theologisches Leitbild, heißt es, aber zugleich regionale Freiheiten für pastorale Einzellösungen. Die traditionell westliche Theologie sei „monokular“ und werde in ihrer Umsetzung anderen Kulturen nicht gerecht. Es gebe zudem neue Lebensformen und Vorstellungen von Partnerschaften; und so könne es die Kirche nicht bei frommen Aufrufen zur treuen Erfüllung der Lehre belassen.

          Im Vatikan rechnet kaum jemand damit, dass es zum Kampf um die Lehre kommt, wenn sich die Vorsitzenden der nationalen Bischofskonferenzen in einem Monat, am 5. Oktober, zur Sondersynode über die „Familie im Kontext der Evangelisierung“ treffen werden. Papst Franziskus wolle zwar den offenen Dialog, heißt es in seinem Staatssekretariat. Die Richtung der Debatte sei indes längst durch den Vortrag vorgegeben, den der emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper im Februar im außerordentlichen Konsistorium über die Familienpastoral gehalten hatte und den Franziskus ausdrücklich lobte. Die geplante Öffnung zu einer am Evangelium orientierten „frohen Botschaft für Familien“ sei seither durch Beiträge in der Jesuitenzeitschrift „La Civiltà Cattolica“ bestätigt worden. Beschlüsse wird es allerdings nicht geben; denn die Sondersynode soll das Treffen der Bischöfe zur Familienpastoral, das im Herbst 2015 stattfinden soll, nur vorbereiten.

          Franziskus' Mann in Madrid

          Zugleich wird gesagt, der Papst wolle keine Abrechnung mit Lehren früherer Päpste. Die Sondersynode ende nicht zufällig am 19. Oktober, wenn Paul VI. selig gesprochen wird. Jenem Papst, der im Volksmund „Pillen-Paul“ genannt wurde, wird vorgeworfen, er habe mit seiner Enzyklika „Humanae vitae“ (1968) einen Keil zwischen Kirche und Gemeinde getrieben. Mit dem Verbot künstlicher Verhütung habe er die zentrale Macht der Kurie als „Hüterin der Lehre“ ins Zentrum gerückt. Dadurch habe er viele Bischöfe mit anderen Vorstellungen und Gläubige mit Gewissensnöten von der Kirche entfremdet, obwohl diese doch eine barmherzig verzeihende Mutter sein wolle, wie Franziskus gerne sagt. Gleichwohl sieht er in Paul VI. ein Vorbild. In seinem Apostolischen Schreiben „Evangelii gaudium“ würdigte er Paul VI. wegen seines Aufrufs zur Rückbesinnung auf das Evangelium. Der Zeitung „Corriere della Sera“ sagte Franziskus: „Seine Genialität war prophetisch, Paul VI. hatte den Mut, sich gegen die Mehrheit zu stellen, die moralische Disziplin zu verteidigen und eine kulturelle Bremse zu ziehen.“

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