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Papstreise in die Türkei : Ausgestreckte Hand

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Respekt ist das zentrale Wort in der Geburtsakte des Dialogs, der Erklärung Nostra Aetate (In unserer Zeit), die 1965 das II. Vatikanische Konzil verkündete: „Mit Hochachtung“ betrachte die Kirche die Muslime, „die den alleinigen Gott anbeten“, heißt es dort. Sie versuchten wie die Christen, sich „mit ganzer Seele seinen verborgenen Ratschlüssen zu unterwerfen, so wie sich Abraham Gott unterwarf“, und sie verehren auch Jesus, „den sie allerdings nicht als Gott anerkennen“, sondern lediglich als Propheten, und „seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen“.

Für Körner begann der Dialog mit dem Islam mit dieser „Respekterweisung“, die sich aus der Erfahrung mit dem Islam ergab, die der spätere Papst Johannes XXIII. als Nuntius in den dreißiger Jahren und bis in den Zweiten Weltkrieg hinein in der Türkei gemacht hatte.

Papst Paul VI. steht, so Körner, für die „Realisation“, die praktische Umsetzung dieses Respekts: Er richtete an Pfingsten 1964 das „Sekretariat für Nicht-Christen“ ein, das unter Papst Johannes Paul II. 1988 das Dikasterium wurde, das heute Tauran leitet. Dieser leitet einen Dialog, der sich auf die praktischen Fragen des Lebens und Sterbens genauso bezieht wie auf den theologischen Diskurs. Die Kirche sehe sich bereichert und bisweilen zur Schärfung der eigenen Identität herausgefordert, heißt es in Taurans Rat. Das lange Pontifikat von Johannes Paul II. steht für Körner unter dem Stichwort „Relation“, habe doch die von Rom in alle Richtungen des Islams ausgestreckte Hand die Beziehungen vertieft. Johannes Paul II. war der erste Papst, der - in Damaskus - in einer Moschee niederkniete. Als er starb, hingen in der Türkei die Flaggen auf halbmast.

Die Ära Benedikts XVI. steht nach Körner unter dem Motto „Reflexion“. Sie begann 2006 mit der von Muslimen als Provokation empfundenen Regensburger Rede, in welcher der deutsche Papst und Theologieprofessor einen byzantinischen Kaiser des Mittelalters mit den Worten zitiert hatte, Muhammad habe „wenig Neues“ gebracht außer der Verbreitung des Glaubens mit dem Schwert. Bei seinem Türkei-Besuch aber konnte der Papst von seinem Dialogwillen überzeugen; danach gründete er bald das Forum, das 2008 erstmals und wieder im Jahr 2011 in Jordanien an der Taufstelle Jesu tagte.

Papst Benedikt ging es um Wahrheit, Toleranz und Gewissensfreiheit. Muslime täten sich schwer, das Recht zum Religionswechsel anzuerkennen, sagte er im Gesprächsbuch „Licht der Welt“ 2010; aber man stehe als Zeugen zusammen gegen den Unglauben.

Papst Franziskus geht diesen Weg weiter, fordert den offenen Dialog im Freimut der Apostel, die Parrhesia, und schließt selbst Gespräche mit dem IS nicht von vorneherein aus, könne so größeres Leid vermieden werden. Man dürfe niemals eine Sache verloren geben: „Nie!“

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