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Papst Franziskus : Nicht mutlos werden!

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Gebeugtes Haupt: Im Angesicht der zahlreichen Konflikte fällt es schwer nicht den Mut zu verlieren. Bild: Reuters

Krieg, Hunger, Terror: Es sind unruhige Zeiten. Doch Papst Franziskus findet klare Worte und setzt auf mehr Barmherzigkeit.

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          Was soll das Drumherumgerede, wenn eine klare Sprache Voraussetzung dafür sein kann, Probleme zu lösen? Erlebt die Welt nur „unruhige Zeiten“, muss sie sich „nur hier und dort mal gegen Terror wehren“? Schon die Bibel kennt den Rat, man müsse den Menschen reinen Wein einschenken. Und das hat Papst Franziskus nun getan. Er, dessen Weltkirche keine nationalen Grenzen kennt, spricht vom „Weltkrieg“; und das nicht, um Angst zu machen, sondern um zu therapieren, wobei er die Medizin des Evangeliums nicht nur Katholiken, sondern der ganzen Welt verabreichen will.

          Auf der Hinreise zum Weltjugendtag (WJT) in Krakau hatte Franziskus die Welt mit der Bemerkung aufgeschreckt, sie durchlebe einen Krieg. Auch wenn dieses Wort bis zur Abschlussmesse vor einer Million Pilgern am Sonntag nicht mehr fiel, überschattete es den gesamten Jugendtag. Immer wieder forderte Franziskus die Jugendlichen auf, über diesen Krieg nicht den Mut zu verlieren. Am Abend jenes Mittwochs griff er dazu das von Johannes Paul II. oft zitierte Motto aus dem Evangelium auf „Fürchtet euch nicht“ und sagte: Gott gebe Kraft und Mut, um mit solchen Herausforderungen fertig zu werden, „Junge und mutige Leute gehen weiter.“

          Der Papst war auf dem Hinflug nach einer Reaktion auf den Mord an Pater Jacques Hamel in dessen Kirche in der Normandie am Vortag befragt worden. Für Franziskus ist dieser „heilige Priester“ nun ein Opfer dieses Kriegs, wie „viele Unschuldige und Kinder; denken wir nur an die in Nigeria“, die von Boko Haram ermordet wurden. Nichts läge näher, als nach der Ermordung des Priestes durch Islamisten von einem „Krieg der Religionen“ zu sprechen. Der Papst widersprach: „Nein. Alle Religionen wollen den Frieden. Krieg wollen die anderen.“

          Dritter Weltkrieg

          Schon beim Besuch in Sarajewo im Juni hatte der Papst von einem „dritten Weltkrieg“ gesprochen, der „stückweise geführt wird“, und jetzt sagte er: Die Welt habe „den Frieden verloren“ und stehe „in einem Krieg auf Raten. Es gab den Krieg von 1914 mit seinen Methoden, den von 1939 bis 1945, ein anderer großer Weltkrieg; und jetzt diesen. Er ist vielleicht nicht sehr durchplant, aber organisiert.“ Dabei gehe es um „Interessen; es gibt Krieg um Geld, um natürliche Ressourcen, die Herrschaft über Völker: Das ist Krieg.“ Nicht nur der Papst benutzt dieses harte Wort, sondern auch Frankreichs Präsident Hollande. Und am vergangenen Donnerstag nahm auch Bundeskanzlerin Merkel das Wort „Krieg“ in den Mund.

          Dieser Krieg ist freilich nicht Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, wie es der Stratege Clausewitz einst formuliert hatte; er hat keine klaren Fronten. Vielmehr explodiert der Terror weltweit mal hier, mal dort: in früheren Kolonialgebieten Afrikas und in Nahost, in amerikanischen Großstädten und in Nizza, im Regionalzug bei Würzburg. Es ist ein Krieg, der von Leuten geführt wird, die islamistische Wahnideen verfolgen. Letztlich bewegt sie Hass und Gottesverachtung, sie gieren nach Gewalt, Blut und Zerstörung.

          Zwiespältiges Handeln

          Der Papst zeigt auf Waffenhändler, die an diesen Mördern verdienen, auf internationale Finanzströme und Handelswege, die Terrorgruppen mit Geld versorgen, auf die Konsumenten von Öl, die so den sogenannten Islamischen Staat finanzieren. Er deckt so eine Verlogenheit auf, zumindest die Zwiespältigkeit unseres Handelns.

          Während früher unter „Drittem Weltkrieg“ das Armageddon des atomaren Untergangs verstanden wurde, ist dieser Krieg heute ein zermürbendes Aufflammen von Gewalt; mal ist er weit weg und mal kommt er uns ganz nah. Er sät Angst, radikalisiert Gesellschaften, stärkt Populisten, untergräbt seriöse Politik. Dieser Krieg schürt Sehnsucht nach einer „heilen Welt“, die es nie gab. In Krakau rief der Papst die Jugend auf, nicht „das Handtuch zu werfen“. Ihn stimme es besorgt, wenn schon junge Leute „vorzeitig in Pension“ gingen: „Wir sind nicht auf die Welt gekommen, um es uns auf dem Sofa bequem zu machen.“

          Franziskus, der syrische Flüchtlinge aus Rom mitgebracht hatte, wurde in Krakau wieder zum Politiker, als er Polens Regierungschefin rügte, ohne sie beim Namen zu nennen. Die hatte ihm bedeutet, Polen könne Fremde aus Nahost nicht aufnehmen; denn Sicherheit sei des Staates wichtigste Aufgabe. Darauf wollte sich der Papst nicht einlassen: Vor die Wahl gestellt, ein mittelmäßiges Leben in trügerischer Abschottung oder das „volle Leben der Barmherzigkeit“ zu leben, solle sich die Jugend für das „Abenteuer der Barmherzigkeit“ entscheiden, „Brücken bauen und Mauern einreißen“.

          Wenn es die Alten nicht tun, sollen wenigstens die Jungen „den Armen und Einsamen, den Verlassenen und Flüchtigen“ helfen. Denn nur so stifte Leben Sinn, schaffe das „Gefühl der Fülle und gebe die Kraft göttlicher Gnade“. Dass Religionen Mitschuld am Terror haben, hat Franziskus übrigens auch schon gesagt. Weil es aber ihre Aufgabe ist, für den Frieden zu leben und zu beten, hat er Führer aller Religionen im September wieder nach Assisi eingeladen, so, wie es schon seine Vorgänger getan haben.

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