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Reformationsjahr : Der Papst zu Besuch bei Luthers Erben

Feier oder Gedenken? Papst Franziskus hält mit Bischof Younan einen Gottesdienst im Dom von Lund. Bild: AP

Gemeinsam mit dem Lutherischen Weltbund begeht Franziskus den Auftakt zum Gedenken an 500 Jahre Reformation. Aber der Ökumene steht manches im Weg.

          Er habe keine „ökumenischen Gastgeschenke“ im Gepäck, hatte Papst Benedikt XVI. die deutschen Protestanten beschieden, als er 2011 in Erfurt jenes Kloster besuchte, in welchem der junge Martin Luther einst mit sich und seinem Glauben gerungen hatte. Der damalige Papst übermittelte in Erfurt seine Zurückweisung weiterer konkreter ökumenischer Schritte mit einer teutonischen Barschheit, die die Symbolik seines Besuchs überdeckte: Mit Benedikt hatte sich zum ersten Mal ein Papst erkennbar auf die Spuren jenes Mannes begeben, der seine Vorgänger als Antichrist geschmäht und die westliche Kirche gespalten hat bis auf den heutigen Tag.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Der Besuch von Papst Franziskus in Lund am Montag und diesem Dienstag ist von vergleichbarer, wenn nicht noch sprechenderer Symbolik. Exakt 499 Jahre nach der Veröffentlichung der 95 Thesen von Martin Luther stattet das Oberhaupt der römischen Kirchen den Lutheranern einen Besuch ab. Franziskus nimmt in Schweden am offiziellen Auftakt der 500-Jahr-Feierlichkeiten der Reformation teil. Allerdings kam der gastgebende Lutherische Weltbund (LWB) dem Vatikan insofern entgegen, als er dieses Ereignis nicht „Feier“ oder „Jubiläum“, sondern ausschließlich „Gedenken“ nennt.

          LWB-Generalsekretär Martin Junge erklärt dazu, diese Entscheidung bedeute keinen Punktgewinn für die Katholiken. Auch Protestanten müssten anerkennen, dass man die Spaltung der Kirche Christi nicht „feiern“ könne. „Dankbar“ für die Reformation könne man hingegen schon sein.

          Lund als Treffpunkt

          Eine weitere sensible Frage war vor dem Besuch die Wahl des Orts. Lund erwies sich aus Sicht beider Seiten als geeignet. Für die Lutheraner, weil in dem schwedischen Städtchen 1947 der Lutherische Weltbund gegründet wurde, in dem mehr als siebzig Millionen Lutheraner weltweit zusammengeschlossen sind. Zudem ist Schweden wie ganz Skandinavien eine durch und durch vom Luthertum geprägte Gegend. Aus römischer Sicht bietet Lund zunächst den Vorteil, dass es nicht in Deutschland liegt.

          Der Papst bekommt es somit nicht mit einem nationalprotestantisch unterlegten Lutherbild zu tun und muss auch nicht nach Wittenberg, sozusagen in die Höhle des Löwen. Zudem weist die Schwedische Kirche trotz ihrer lutherischen Lehre und ihrer äußerst progressiven Ethik bis heute viele Ähnlichkeiten zur Papstkirche in der Liturgie auf.

          Gelassenheit trotz Papstbesuch

          Der gewöhnliche Schwede schenkt solchen Eigenheiten freilich wenig Interesse. Zwar sind noch immer zwei Drittel aller Einwohner des Landes Mitglied der Schwedischen Kirche, die bis zum Jahr 2000 eine Staatskirche war. Doch zeigt sich eine Mehrzahl der Schweden schon lange säkular orientiert. Das Land nutzt den Besuch von Franziskus so auch, um schwedische Gelassenheit zu demonstrieren. Plakate, Fahnen, umfänglicher Straßenschmuck und tagelange Verkehrssperrungen – all das sucht man in Lund vergeblich. Noch am Sonntagmorgen ist in der Kleinstadt wenig davon zu spüren, dass erstmals ein Papst seinen Fuß auf ihren Boden setzen wird.

          Selbst die 900 Jahre alte Domkirche hat ihre Türen immer noch für Besucher geöffnet. Immerhin, links unten auf dem Schwarzen Brett der Kirchengemeinde hängt ein Zettel, auf dem zu lesen ist, dass am morgigen Tag Papst Franziskus hier einen Gottesdienst feiern wird.

          Als Franziskus am Montag zur Mittagszeit in Schweden ankommt, zeigt dann allerdings doch der ein oder andere Bewohner loses Interesse. Schaulustige säumen die Straßen, auch Franziskus-Rufe sind zu hören. Erster Programmpunkt für Franziskus nach der Begrüßung durch Ministerpräsidenten Stefan Löfven am Flughafen des benachbarten Malmö ist der Besuch bei der schwedischen Königsfamilie im „Kungshuset“ in Lund. Das Haus, in dem einst die Statthalter des Königs residierten ist nur einen Steinwurf von der Kathedrale entfernt. Scherpen und Fahnen verbreiten nun etwas royalen Glanz.

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