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Papst-Dekret : Ein Politikum

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Nach seiner Regensburger Rede hatte Papst Benedikt XVI. anerkannt, dass ein geistig-geistliches Wort aus dem Munde des Oberhauptes der katholischen Kirche auch weltlicher Beurteilung unterliegt. Umso unverständlicher ist sein jüngstes Dekret.

          Der Papst ist das Oberhaupt einer Glaubensgemeinschaft. Aber diese Glaubensgemeinschaft existiert und handelt in dieser Welt, und die katholische Kirche ist, ob sie das will oder nicht, eine weltliche Macht, eine jener „Potenzen“ (Jacob Burckhardt), die den Gang der Geschichte bestimmen und prägen.

          Das Reich Gottes ist nicht von dieser Welt, aber das Handeln seiner Vertreter auf Erden muss sich an den Maßstäben messen lassen, die hier gelten, also auch an politischen. Benedikt XVI. hat dies zum ersten Mal erfahren, als er wegen seiner gelehrten Regensburger Vorlesung den Zorn der Muslime auf sich zog. Er hat seine Aussagen danach eingeschränkt und relativiert, aus realpolitischen Rücksichten. Damit hat er anerkannt, dass ein geistig-geistliches Wort aus dem Munde des Oberhauptes der katholischen Kirche, insofern es Unfrieden stiften kann, auch weltlicher Beurteilung unterliegt.

          Unverständliche Entscheidung

          Umso unverständlicher ist es, dass der Papst – oder seine Berater, unter denen es feinsinnige Diplomaten gibt – nicht ermessen hat, was es bedeuten würde, die Exkommunikation gegen die sogenannten „Traditionalisten“ aufzuheben, die sich nach dem Zweiten Vatikanum von der Kirche abgespalten hatten.

          Es geht hier eben nicht nur um die Überwindung eines theologischen Schismas. Vor allem geht es nicht (mehr) darum, ob die Messe wieder nach tridentinischem Ritus gelesen werden kann. Dagegen ist es im Grunde symptomatisch, dass ein traditionalistischer sogenannter Bischof historisch widerlegte und politisch widerwärtige Thesen vertritt.

          Sympathien für Frankreichs extreme Rechte

          Der Papst und seine Berater hätten nämlich wissen können, wissen müssen, dass die Abspaltung der Traditionalisten nicht nur theologische Gründe hatte, sondern auch ein Politikum war.

          Unverhohlen haben sich die Leute um den Erzbischof Lefebvre auf ultramontane Lehren berufen, die in der französischen Revolution einen politischen Sündenfall sehen. Sie haben in Frankreich von Anfang an mit der extremen Rechten sympathisiert – in ihren intellektuellen Ausprägungen (Alain de Benoist), die, was die Verbindung besonders paradox macht, einen neuheidnischen Zug hatten, aber auch mit ihrer vulgären Organisationsform in der Partei Le Pens. All dies ist bekannt. Hat Benedikt wirklich nicht erkannt, welchen politischen Schaden die vermeintliche Überwindung dieses Schismas anrichten würde?

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