https://www.faz.net/aktuell/politik/papst-dekret-ein-politikum-1757572.html
 

Papst-Dekret : Ein Politikum

  • -Aktualisiert am

Nach seiner Regensburger Rede hatte Papst Benedikt XVI. anerkannt, dass ein geistig-geistliches Wort aus dem Munde des Oberhauptes der katholischen Kirche auch weltlicher Beurteilung unterliegt. Umso unverständlicher ist sein jüngstes Dekret.

          1 Min.

          Der Papst ist das Oberhaupt einer Glaubensgemeinschaft. Aber diese Glaubensgemeinschaft existiert und handelt in dieser Welt, und die katholische Kirche ist, ob sie das will oder nicht, eine weltliche Macht, eine jener „Potenzen“ (Jacob Burckhardt), die den Gang der Geschichte bestimmen und prägen.

          Das Reich Gottes ist nicht von dieser Welt, aber das Handeln seiner Vertreter auf Erden muss sich an den Maßstäben messen lassen, die hier gelten, also auch an politischen. Benedikt XVI. hat dies zum ersten Mal erfahren, als er wegen seiner gelehrten Regensburger Vorlesung den Zorn der Muslime auf sich zog. Er hat seine Aussagen danach eingeschränkt und relativiert, aus realpolitischen Rücksichten. Damit hat er anerkannt, dass ein geistig-geistliches Wort aus dem Munde des Oberhauptes der katholischen Kirche, insofern es Unfrieden stiften kann, auch weltlicher Beurteilung unterliegt.

          Unverständliche Entscheidung

          Umso unverständlicher ist es, dass der Papst – oder seine Berater, unter denen es feinsinnige Diplomaten gibt – nicht ermessen hat, was es bedeuten würde, die Exkommunikation gegen die sogenannten „Traditionalisten“ aufzuheben, die sich nach dem Zweiten Vatikanum von der Kirche abgespalten hatten.

          Es geht hier eben nicht nur um die Überwindung eines theologischen Schismas. Vor allem geht es nicht (mehr) darum, ob die Messe wieder nach tridentinischem Ritus gelesen werden kann. Dagegen ist es im Grunde symptomatisch, dass ein traditionalistischer sogenannter Bischof historisch widerlegte und politisch widerwärtige Thesen vertritt.

          Sympathien für Frankreichs extreme Rechte

          Der Papst und seine Berater hätten nämlich wissen können, wissen müssen, dass die Abspaltung der Traditionalisten nicht nur theologische Gründe hatte, sondern auch ein Politikum war.

          Unverhohlen haben sich die Leute um den Erzbischof Lefebvre auf ultramontane Lehren berufen, die in der französischen Revolution einen politischen Sündenfall sehen. Sie haben in Frankreich von Anfang an mit der extremen Rechten sympathisiert – in ihren intellektuellen Ausprägungen (Alain de Benoist), die, was die Verbindung besonders paradox macht, einen neuheidnischen Zug hatten, aber auch mit ihrer vulgären Organisationsform in der Partei Le Pens. All dies ist bekannt. Hat Benedikt wirklich nicht erkannt, welchen politischen Schaden die vermeintliche Überwindung dieses Schismas anrichten würde?

          Weitere Themen

          Kiew: Russland verlegt Kriegsschiff ins Schwarze Meer

          Ukraine-Liveblog : Kiew: Russland verlegt Kriegsschiff ins Schwarze Meer

          AKW Saporischschja bleibt unter russischer Kontrolle +++ Russische Besatzungverwaltung dementiert anderslautende Berichte +++ Ukraine wirft Russland Störung von Getreideausfuhren vor +++ Selenskyj bereitet auf harten Winter vor +++ alle Entwicklungen im Liveblog.

          Spam überlagert Nachrichten von Protesten in China

          Twitter : Spam überlagert Nachrichten von Protesten in China

          Wer bei Twitter am Sonntag nach chinesischsprachigen Informationen über die Proteste suchte, sah stattdessen Werbung für Escort-Dienste. Ein ehemaliger Mitarbeiter spricht von einer gezielten Kampagne der Regierung.

          Topmeldungen

          Eine Rakete startet von einem russischen Kriegsschiff im Schwarze Meer. Das Bild wurde vom russischen Verteidigungsministerium bereitgestellt.

          Ukraine-Liveblog : Kiew: Russland verlegt Kriegsschiff ins Schwarze Meer

          AKW Saporischschja bleibt unter russischer Kontrolle +++ Russische Besatzungverwaltung dementiert anderslautende Berichte +++ Ukraine wirft Russland Störung von Getreideausfuhren vor +++ Selenskyj bereitet auf harten Winter vor +++ alle Entwicklungen im Liveblog.
          Die  Kryptobörse FTX ist insolvent.

          Pleite des einstigen Stars FTX : Der Kryptokrimi auf den Bahamas

          FTX war zu Jahresbeginn mehr wert als die Deutsche Bank. Prominente warben für die Börse, wichtige Anleger wie Blackrock investierten. Nun ist sie insolvent, und alles riecht nach dreistem Betrug.
          Demonstranten in Peking

          Twitter : Spam überlagert Nachrichten von Protesten in China

          Wer bei Twitter am Sonntag nach chinesischsprachigen Informationen über die Proteste suchte, sah stattdessen Werbung für Escort-Dienste. Ein ehemaliger Mitarbeiter spricht von einer gezielten Kampagne der Regierung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.