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Der Preis des Palmöls : Verbrannte Erde

Für die riesigen Palmölgebiete in Indonesien wird uralter Regenwald gerodet. Bild: interTOPICS /Gethin Chamberlain

Jedes zweite Produkt in unseren Supermärkten enthält Palmöl. Auf den Verpackungen steht meistens, es sei nachhaltig produziert. Stimmt das?

          Palmfrüchte haben ungefähr die Größe von Pflaumen, sind aber kleiner und härter. Die Farbe der dünnen Schale fließt von Dunkelrot am Stiel über in knalliges Hellrot, dann in Orange, bis sie schließlich in sattem Gelb endet. Unter der Haut liegt das rötliche Fleisch. Es hinterlässt einen Film an den Fingern, als hätte man ein Stück Butter angefasst. In der Mitte steckt ein grauer, fettiger Kern.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Aus Palmfrüchten wird Öl gewonnen. Das landet in Brotaufstrichen, in Fertigpizzas, in Lippenstiften und Waschmittel. Jedes zweite Produkt in unseren Supermärkten enthält Palmöl. Die Palmenart Elaeis guineensis, von der das Öl kommt, stammt ursprünglich aus Afrika. Doch ein Großteil des weltweiten Anbaus liegt in den südostasiatischen Ländern. Fast die Hälfte des Öls wird allein von Indonesien produziert, 70 Prozent davon geht in den Export, auch nach Europa.

          Kilometer um Kilometer reiht sich in Indonesien eine Palme an die andere. Die vielgliedrigen Blätter hängen herab oder ragen hinauf wie ein wild zerzauster Haarschopf. Für die riesigen Palmölgebiete wird uralter Regenwald gerodet, werden ökologisch wertvolle Torfmoorwälder trockengelegt und ganze Landstriche verbrannt. Brandrodung ist die billigste Art, um Land für neue Palmen frei zu machen.

          Besonders stark wüteten die Flammen im vergangenen Jahr auf den Inseln Sumatra und Borneo. Es gab dort zeitweise mehr als 100.000 Brände. Angeheizt vom Wetterphänomen El Niño, verdeckte Rauch monatelang die Sonne. Indonesiens CO2-Emissionen übertrafen teilweise die der gesamten Industrie der Vereinigten Staaten. Eine halbe Million Menschen ließ sich mit Atemwegserkrankungen im Krankenhaus behandeln. Manche Beobachter bezeichneten die Brände als die bisher größte Ökokatastrophe des 21. Jahrhunderts. Der Chef des indonesischen Katastrophenschutzes sprach von einem „Verbrechen gegen die Menschheit“. Seltene Tiere wie Orang-Utans, Gibbons und Malaienbären kamen in den Flammen um.

          Illegale Brandrodung

          Seit Jahrzehnten wird indonesischer Regenwald im Namen der Landwirtschaft zerstört. Legal, durch Abholzung, aber auch illegal, etwa in Naturschutzgebieten. In den Jahren 2000 bis 2012 soll das Land sechs Millionen Hektar Wald verloren haben, pro Jahr sind es derzeit wohl zwischen 600.000 und 800.000. Rund Zweidrittel aller an Land lebenden Tierarten sollen in diesen Wäldern vorkommen, viele davon sind vom Aussterben bedroht. Illegal ist auch die Brandrodung. Trotzdem werden viele Waldgebiete dadurch für die landwirtschaftliche Nutzung frei gemacht. Auch auf Feldern einiger der großen Palmölfirmen. Das hindert einige der Unternehmen nicht daran, ihr Palmöl als „nachhaltig“ zu bezeichnen.

          Wir reisen auf die Insel Borneo, in die indonesische Provinz Zentralkalimantan, um uns ein Bild zu machen. Die Regionalregierung hatte hier bei elf Unternehmen Brände festgestellt. Auch nach Recherchen der Umweltorganisation „Friends of the Earth“ brannte es auf den Konzessionen von Palmölunternehmen. Sie sollen der Firma Wilmar International gehören sowie Bumitama Agri, einem Zulieferer von Wilmar.

          Das Unternehmen Wilmar mit Sitz in Singapur ist der größte Palmölhändler der Welt. Es gehört mehrheitlich dem 92 Jahre alten Unternehmer Robert Kuok, dem früheren „Zuckerkönig“ Südostasiens, Gründer der „Shangri-La“-Hotelkette und reichsten Mann Malaysias. Wilmar hatte sich schon im Jahr 2013 selbst verordnet, keine Regenwälder und Torfmoore mehr zu zerstören. Die Firma ist auch Teilnehmer am „Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl“, kurz RSPO, dessen Mitglieder sich auf gewisse Standards verpflichtet haben, um die Zerstörung von Wäldern und Brandrodung zu verhindern und die Achtung der Menschenrechte von Anwohnern und Arbeitern zu gewährleisten.

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