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Der Preis des Palmöls : Verbrannte Erde

„High Conservation Value“

Auffällig ist, dass an dem Ort, wo wir stehen, ein Teil der Konzession betroffen ist, an dem bisher noch keine Palmen gepflanzt waren. Der Verdacht liegt daher nahe, dass mit dem Feuer Fläche für den Palmölanbau erschlossen werden sollte. Der Umweltschützer zeigt außerdem auf ein Areal, das mit einem Schild als besonders schützenswert ausgezeichnet ist. Nach den Regeln des RSPO dürfen auf solchen „High Conservation Value“-Gebieten keine Palmen gepflanzt werden. Auch dieses Gebiet wurde durch den Brand zerstört. Die Ölpalmen dahinter sind wie durch ein Wunder dem Feuer entgangen. Als wir uns davonmachen wollen, verfahren wir uns noch einmal in der Eintönigkeit der Palmölfelder. Dann löst sich Regen aus den dunklen Wolken am Himmel. Binnen weniger Minuten sind die Sandwege in den Palmölplantagen voller Wasser. Die Monokultur begünstigt Überschwemmungen, die in vielen Anbaugebieten in den vergangenen Jahren stark zugenommen haben.

In einer Antwort auf die Vorwürfe von „Friends of the Earth“ reagiert die Firma Wilmar mit Ausflüchten. Auf dem geschützten Gebiet sollten keine Palmen gepflanzt werden. Das Feuer habe außerhalb der Konzession angefangen und sei wegen starker Winde auf das Gebiet herübergewandert, teilte das Unternehmen mit. Die Kleinbauern in der Umgebung rodeten außerdem traditionell Flächen mit Feuer. Es sei daher nicht nachzuweisen, wer den Brand gelegt habe.

Ein Zertifikat ist keine Garantie

Die Umweltschützer von „Friends of the Earth“ verweisen darauf, dass die Konzessionsbesitzer gesetzlich für ein Feuer auf ihrem Gebiet Verantwortung tragen, egal wer es ausgelöst habe. Da die Plantage seit November 2012 RSPO-zertifiziert ist, konfrontieren wir auch das Indonesien-Büro des „Runden Tischs“ in Jakarta mit den Recherchen der Umweltorganisation. Zunächst geht es in dem Gespräch um die allgemeine Funktion des Zertifizierungssystems, das auch vom WWF und von Greenpeace unterstützt wird. Es stelle sicher, dass der Prozess der Palmölproduktion den Standards der Nachhaltigkeit entspricht, sagt die für Indonesien zuständige RSPO-Direktorin Tiur Rumondang. Dann wiegelt sie ab und sagt, dass sie mit dem Fall, den wir ansprechen, nicht vertraut sei. Doch Verstöße könnten über ein Beschwerdesystem dem „Runden Tisch“ jederzeit gemeldet werden. Bei nachgewiesenem Fehlverhalten könnte Mitgliedern sogar der Ausschluss drohen. Allerdings sei es sehr schwierig, eine Schuld nachzuweisen, gibt die Direktorin zu. Die Frage, ob denn gegen RSPO-Mitglieder wegen der Feuer im vergangenen Jahr ermittelt werde, bejaht die Direktorin. Zwei Mitgliedsfirmen seien davon betroffen. Um welche Unternehmen es sich handelt und ob auch Wilmar dabei ist, möchte die RSPO-Repräsentantin aber nicht sagen, weil das Verfahren noch laufe.

Umweltschützer verweisen darauf, dass der RSPO im Umgang mit Beschwerden meist nur sehr zögerlich agiere. Und so bleibt es undurchsichtig, inwieweit die Standards in der Praxis auch wirklich eingehalten werden. Kritiker werfen dem „Runden Tisch“ vor, „greenwashing“ zu betreiben. Schließlich lassen Unternehmen wie Wilmar auch nur einen Teil ihrer Produktion zertifizieren. So können sie an anderen Orten ungehindert weiter gegen die Standards verstoßen. Eine Garantie dafür, dass für das Palmöl keine geschützte Natur zerstört und kein Feuer gelegt wurde, gibt also auch die Zertifizierung nicht.

Einige Zeit nach unserem Besuch auf der Palmölplantage werden die ersten Brände des Jahres aus Indonesien gemeldet.

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