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Der Preis des Palmöls : Verbrannte Erde

Fragwürdige Praktiken

Das Unternehmen sagt, von seinen Plantagen seien etwa 60 Prozent RSPO-zertifiziert. Die mit dem entsprechenden Siegel versehenen Palmölprodukte landen auch auf dem europäischen Markt. Allerdings taucht der Name Wilmar immer wieder auf, wenn fragwürdige Praktiken in dem Industriezweig aufgedeckt werden. So wie in dem Bericht von „Friends of the Earth“. Laut der indonesischen Gesetze und den Regeln des RSPO ist die Brandrodung strikt verboten, selbst wenn es sich um ein legales Anbaugebiet handelt.

Einer der Aktivisten, der dem Unternehmen auf die Schliche gekommen ist, heißt Tri Kusuma Atmaja. Er bringt uns zu einer der Plantagen im Süden von Zentralkalimantan. Die schiere Größe der Felder ist überwältigend. Die Plantage wirkt wie ein riesengroßes Schachbrettfeld, in dem die Palmenreihen von endlosen Sandstraßen durchkreuzt werden. Insgesamt sollen schon 150.000 Hektar bepflanzt sein, das ist etwa zweimal die Fläche von Hamburg. Man kann hier stundenlang umherfahren, ohne etwas anderes zu Gesicht zu bekommen als Ölpalmen.

Ein Mitstreiter von Tri Kusuma Atmaja fährt das Auto, mit dem wir uns an den Wachposten vorbeischummeln, die am Eingang zu der Plantage aufpassen. Eine Genehmigung zum Besuch der Wilmar-Plantage haben wir nicht. Tri Kusuma Atmaja hat uns eingetrichtert, dass wir den Wächtern sagen sollen, wir besuchten nur Verwandte. Doch wir haben Glück, keiner stellt Fragen. Allerdings verfährt sich der Mitstreiter zunächst einmal kräftig in dem unübersichtlichen Gelände. Schließlich sieht jede Ecke wie die andere aus.

Ein Sumatratiger in Indonesien: Illegale Waldrodungen gefährden seltene Tierarten.

Wir haben genug Zeit, um uns umzugucken. Am Wegesrand liegen die etwa fußballgroßen Bündel von Früchten, die Arbeiter gerade erst von den Palmen geschnitten haben. Sie werden von gelben Lastwagen eingesammelt, die über die sandigen Pisten ruckeln. Die Transporter bringen die Früchte in eine der großen Palmölmühlen. Die stehen an verschiedenen Plätzen innerhalb der Plantage und pressen nahezu rund um die Uhr das Rohöl aus den Früchten. Alle paar Kilometer erscheint ein Schild, das den Namen des Subunternehmens angibt, welches die jeweiligen Felder im Auftrag von Wilmar betreibt.

Kahle Flächen und schwarze Brandreste

Nach rund zwei Stunden findet Tri Kusuma Atmaja mit Hilfe seines GPS-Geräts endlich das Ziel. Das Konzessionsgebiet ist mit dem Namen Sarana Titian Permata ausgeschildert. Das Brandgebiet, das wir uns beispielhaft für die vielen anderen anschauen wollen, liegt am Rand der Konzession, die insgesamt rund 20.000 Hektar groß ist. Dort, wo im vergangenen Jahr das Feuer tobte, erstreckt sich eine weitgehend kahle Fläche, ein paar hundert Meter breit und ein paar hundert Meter lang. Nur ein einsamer, dünner Baum reckt seine schmale Krone in die Höhe. Teilweise ist die Erde unter dem nachgewachsenen Gras noch mit schwarzen Brandresten bedeckt. Im Hintergrund staken einige dünne Stämme aus dem Boden. Sie sind vom Feuer schwarz gefärbt und sehen aus wie verbrannte Streichhölzer. In der Ferne ragen weitere bizarr gekrümmte Bäume empor. Doch sie tragen Laub, und unter ihnen wachsen grüne Büsche. Dort ist der Wald offenbar noch intakt.

Wir fragen Tri Kusuma Atmaja, ob er Beweise habe, dass es hier tatsächlich im vergangenen Jahr Brandrodungen gegeben hatte. Der Umweltschützer berichtet, wie er die Satellitenbilder, auf denen die Brände zu sehen waren, per Computer auf eine Karte mit den Grenzen der Palmölkonzessionen gelegt habe. Er habe die Hinweise dann vor Ort nachgeprüft und mit Fotos und GPS-Koordinaten festgehalten. Insgesamt konnte er 14 Brandherde auf dem Gebiet entdecken.

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