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Siedler zünden Haus an : Israel entsetzt über Tod eines Kleinkindes

  • -Aktualisiert am

Ein israelischer Sicherheitsmann steht vor dem abgebrannten Haus. Bild: AFP

Bei einem Brandanschlag auf ein palästinensisches Haus ist ein Kleinkind in den Flammen umgekommen. Die Täter, mutmaßlich jüdische Siedler, handelten wahrscheinlich aus Rache.

          Bei einem Brandanschlag im Westjordanland ist in der Nacht zum Freitag ein eineinhalb Jahre alter palästinensischer Junge ums Leben gekommen. Seine Eltern und ein weiteres Familienmitglied wurden mit schweren Brandverletzungen in einem israelischen Krankenhaus behandelt. Mutmaßliche jüdische Extremisten hatten Brandsätze in zwei Wohngebäude in Duma südlich von Nablus geworfen; eines davon stand jedoch leer. Zudem sprayten sie an die Wände einen Davidstern und Slogans auf Hebräisch wie „Rache“ und „Lang lebe der König Messias“.

          Ähnliche Inschriften hinterließen in der Vergangenheit radikale Juden bei Angriffen auf Christen und Araber. Sie wollten mit solchen Hasstaten („Preisschild-Attacken“) Angriffe auf Siedler rächen oder gegen eine nach ihrer Ansicht zu palästinenserfreundliche Politik der israelischen Regierung protestieren. Im Juni hatten militante Jugendliche zuletzt Feuer im deutschen Benediktinerkloster in Tabgha am See Genezareth gelegt. Gegen drei Täter, die offenbar aus christenfeindlichen Motiven gehandelt hatten, wurde in dieser Woche Anklage erhoben.

          Der israelische Verteidigungsminister sprach am Freitag von einem „schwerwiegenden Terroranschlag“. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verurteilte die Tat als „schrecklich und abscheulich“. Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas machte Israel verantwortlich und kündigte an, sich wegen des Attentats an den Internationalen Strafgerichtshof zu wenden. Täglich würden "von Israelis Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit am palästinensischen Volk verübt".

          Abbas und Netanjahu telefonieren

          Nach PLO-Angaben wurden seit 2004 mehr als 11.000 israelische Übergriffe gegen Palästinenser registriert. Die Hamas hatte zuvor schon für Freitag zu einem „Tag des Zorns“ aufgerufen, um die „Al Aqsa-Moschee zu schützen“.

          In einem seltenen Telefonat mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verurteilte Netanjahu die Tat. "Jeder in Israel ist schockiert über diesen verwerflichen Terrorakt", sagte Netanjahu am Freitag nach Angaben seines Büros. Netanjahu versprach Abbas umfassende Ermittlungen zur Aufklärung des Verbrechens.

          Zuletzt hatte Netanjahu Abbas am 17. Juli zum Ende des Fastenmonats Ramadan angerufen. Davor herrschte mehr als ein Jahr Funkstille zwischen den beiden Politikern. Netanjahu und Israels Präsident Reuven Rivlin besuchten die Mutter und den Bruder des getöteten Kleinkinds im Krankenhaus.

          Angst vor Ausschreitungen

           Der Angriff auf das Haus rief auch international Empörung hervor. Die Bundesregierung nannte die "Brutalität" der Tat "schockierend". Die US-Regierung rief alle Seiten auf, nach der "bösartigen Terrorattacke" Ruhe zu bewahren. Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland erklärte, durch diese "schreckliche Tat" dürfe keine Spirale der Gewalt ausgelöst werden.

          Die EU-Kommission verlangte "eine vollständige und sofortige Untersuchung" des Anschlags. Die israelische Regierung müsse die örtliche Bevölkerung schützen und dürfe "Siedlergewalt" nicht tolerieren.

          Nach dem Anschlag bei Nablus wurden nun zusätzliche Proteste befürchtet. Im Westjordanland und in Jerusalem wurden die Sicherheitskräfte deshalb in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt, im Westjordanland vier Bataillone  mobilisiert sowie Straßensperren eingerichtet. Am Sonntag war es vor an der Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen palästinensischen Jugendlichen und der israelischen Polizei gekommen. Aus Angst vor einer neuerlichen Eskalation der Gewalt nach dem Freitagsgebet erlaubten die israelischen Behörden nur Muslimen den Zugang, die älter als 50 Jahre sind. 

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