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Papst verfügt mehr Transparenz : Ein großer Schritt für die Kirche

Papst Franziskus auf einer Krippen-Ausstellung im Vatikan Bild: dpa

Dass kirchenrechtliche Missbrauchsermittlungen dem Päpstlichen Geheimnis unterlagen, diente dem Täterschutz. Doch auch nach der Reform bleibt die Kirche hinter rechtsstaatlichen Mindestnormen zurück.

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          Es dürfte nicht viele Zeitgenossen geben, denen das „Päpstliche Geheimnis“ etwas sagt. Dabei ist es schlicht die Bezeichnung für die höchste kirchliche Geheimhaltungsstufe, vergleichbar dem (ebenfalls strafbewehrten) „Streng geheim“ im staatlichen Recht. Es spricht jedoch Bände, dass zu den unter allen Umständen geheim zu haltenden Vorgängen auch und gerade kirchenrechtliche Ermittlungen gegen Kleriker wegen sexueller Gewalt gegen Minderjährige und Schutzbefohlene zählten.

          Nicht, dass es sich bei dieser Maßgabe um einen Ausfluss der Unschuldsvermutung zugunsten eines Verdächtigen oder eine Vorkehrung zum Schutz der Opfer gehandelt hätte. Das „Päpstliche Geheimnis“ war vielmehr die effektivste Ausrede, mit der Kleriker ihresgleichen im Fall des Falles der staatlichen Strafverfolgung vorenthalten konnten. Zudem war es das probateste Instrument, um den Kreis der Mitwisser möglichst klein zu halten, möglichst kein Aufhebens zu machen und so viele Spuren wie möglich zu verwischen.

          Dieses vieltausendfach erprobte Kernelement der systemisch auf Vertuschung angelegten (Un)Rechtskultur in der Kirche hat Papst Franziskus jetzt für nicht länger anwendbar erklärt. Für die Kirche ist das ein großer Schritt. Aber auch ohne den Täterschutz durch das „secretum pontificium“ liegen zwischen den Strafrechtsnormen und der Strafrechtspraxis der Kirche und rechtsstaatlichen Mindeststandards Welten. Daran hat sich unter Papst Franziskus nichts geändert.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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