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Geldhahn in Gefahr : Oxfam drohen Konsequenzen nach „Sex-Skandal“

Ein Oxfam-Shop in London Bild: Reuters

Im Erdbebengebiet von Haiti bezahlten Mitarbeiter Frauen für Sex und veranstalteten Orgien. Nun tritt die Vize-Chefin der Hilfsorganisation zurück. Eine ehemalige Ministerin spricht von einer „Spitze des Eisbergs.“

          Die britische Hilfsorganisation Oxfam muss um ihre öffentliche finanzielle Unterstützung fürchten, seit ein „Sex-Skandal“ einiger ihrer Mitarbeiter politische Kreise zieht. Am Montag wurde der Vorstand von Oxfam ins Entwicklungshilfeminsterium (DfID) in London geladen, um Rede und Antwort zu stehen. Die stellvertretende Vorstandsvorsitzende von Oxfam, Penny Lawrence, trat zurück und übernahm die „volle Verantwortung“. Zuvor hatte die Aufsichtsbehörde für die Hilfs- und Wohltätigkeitsorganisationen im Königreich, die „Charity Commission“, bemängelt, dass sie während früherer Untersuchungen nicht vollständig über das Ausmaß des Skandals informiert worden war.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Im Mittelpunkt der Affäre stehen Oxfam-Mitarbeiter, die vor sieben Jahren bei einer Mission im Erdbebengebiet von Haiti Partys mit Prostituierten gefeiert hatten. Der Fall war erst am Freitag von der Zeitung „Times“ aufgedeckt worden. Nicht bestätigt sind Gerüchte, dass einige der Prostituierten von Oxfam als Opfer des Erdbebens betreut wurden oder minderjährig waren. Oxfam hatte im Jahr 2011 eine interne Untersuchung eingeleitet, die mit Entlassungen und freiwilligen Kündigungen von sieben Mitarbeitern endete, unter ihnen der „Country Director“ für Haiti. Einige fanden danach Beschäftigung bei anderen Organisationen. Oxfam äußerte sich „beschämt“ und versprach, aus dem Vorfall zu lernen. Die Auswahlkriterien für Personal und die Kontrollen der Mitarbeiter würden weiter verbessert. Entwicklungshilfeministerin Penny Mordaunt hielt Oxfam einen „absoluten Mangel an Führung“ vor, sollten strafrechtlich relevante Vorfälle nicht an die zuständigen Behörden weitergemeldet worden sein.

          Mordaunts Vorgängerin Priti Patel sah in dem Skandal die „Spitze des Eisbergs“ und legte eine Kultur des Verschweigens auch unter den Beamten des DfID nahe. Die „Charity Commission“ teilte am Montag mit, dass ihr jährlich etwa 1000 Verdachtsfälle gemeldet würden, die in weiterem Sinne mit Missbrauch zu tun haben. Fälle „sexueller Belästigung“ wurden auch bei „Save the Children“, „Christian Aid“ und beim Britischen Roten Kreuz aktenkundig.

          Der frühere UN-Notfallkoordinator Andrew MacLeod machte auf ein besonderes Feld des Missbrauchs im Ausland aufmerksam. In einem Interview sagte er, dass Pädophile seit vielen Jahren verstärkt in Länder gingen, die Entwicklungshilfe bekommen, um Zugang zu Kindern zu erhalten. Das Anheuern bei Wohltätigkeitsorganisationen sei dafür „die Methode der Wahl“. Der Skandal in der Szene der Hilfsorganisationen folgt breit diskutierten Affären um sexuelle Belästigungen im Parlamentsbetrieb und im Londoner Finanzdistrikt. Zwei Minister sind zurückgetreten, und ein traditioneller, von einflussreichen Geschäftsleute frequentierter „Men’s Only Club“, der Wohltätigkeitsveranstaltungen unter Beteiligung von Hostessen organisierte, ist geschlossen worden.

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