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Ostern und die Religion : Gewalt, Offenbarung, Befreiung

Eine Christin betet am Ostersamstag in der Grabeskirche, die von vielen als Ort der Kreuzigung Jesu angesehen wird. Auch mit dem Judentum und dem Islam gibt es am Osterfest Zusammenhänge und Parallelen. Bild: dpa

Die Tage um Ostern zeigen, wie sehr Islam, Juden- und Christentum in ihren grundlegenden Erzählungen und Propheten zusammenhängen. Dieses Jahr werden Ostern und Pessach seit langem wieder am selben Tag gefeiert.

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          Beide Feste hängen eng zusammen. Dennoch werden das jüdische Pessach und das christliche Ostern nicht immer zur selben Zeit gefeiert. In diesem Jahr aber feiern die Juden die Befreiung aus der ägyptischen Knechtschaft wieder an denselben Tagen, an denen die Christen der Passion Jesu gedenken – wie damals, als sich die Leidensgeschichte ereignet hatte und das Pessach-Fest begann.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Das deutsche Wort „Ostern“ geht mutmaßlich auf einen lateinischen Begriff für „Morgenröte“ zurück. In anderen Sprachen ist der Zusammenhang zwischen Pessach und Ostern klarer zu erkennen. Im Französischen heißt Ostern Pâques, im Spanischen Pascua. Gefeiert wird bei beiden Festen eine Befreiung, die jeweils in einen neuen Bund Gottes mit den Menschen mündet. Deutlich wird der Zusammenhang, wenn die Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas Jesu Abendmahl mit den Aposteln als das rituelle Sedermahl schildern, das am Vorabend von Pessach gefeiert wird.

          Alle drei Religionen setzen der Offenbarung Gewalt voraus

          Ob es wirklich an dem Abend stattgefunden hat, ist umstritten. Den Evangelisten war aber offenbar daran gelegen, den Neuen Bund, den Jesus mit seinen Jüngern schloss, in die Kontinuität des Alten Bundes zu stellen, den JHWH, so der unvokalisierte Eigenname des Gottes Israels, mit Noah, Abraham und auf dem Sinai mit dem Volk Israel geschlossen hat. Das frühchristliche Abendmahl übernahm viele Teile des jüdischen Sedermahls: Das ungesäuerte Brot, das Weinglas beziehungsweise den Weinkelch, das Opferlamm. Der Neue Bund, von dem Jesus beim Abendmahl spricht, gilt aber nicht mehr nur einem Volk, sondern allen.

          Die Tage um Ostern zeigen, wie eng die großen monotheistischen Offenbarungsreligionen miteinander verknüpft sind. Das gilt insbesondere für das Judentum und das Christentum. Dabei wird der Exodus zur Gründungserzählung des Alten Bundes, die Passionsgeschichte aber zur Gründungserzählung des Neuen Bundes. Zunächst hatte JHWH das Volk Israel aus der ägyptischen Knechtschaft befreit, er offenbarte sich ihm und schloss mit ihm in der Wüste Sinai den Alten Bund. Darin verpflichtete sich das Volk Israel, die empfangenen Gesetze einzuhalten. Jesus wiederum ritt auf einem Maulesel nach Jerusalem, um dort das Pessach-Fest zu feiern, aber auch in der Erwartung seines baldigen Kreuzestodes.

          Auch der Islam nahm Entlehnungen aus dieser Tradition. In allen drei Religionen setzt die Offenbarung Gewalt voraus. Bei allen ist die Befreiung an einen „Auszug“ (beziehungsweise „Einzug“) geknüpft, der in einen Bund JHWHs, Gottes oder Allahs mit den Menschen mündet. Nicht Jesus, sondern Moses wurde für Mohammed zu einem Rollenvorbild. So wie Moses das Volk Israel vor der Verfolgung durch seine Peiniger gerettet hat, rettete auch Mohammed seine Anhänger vor der Verfolgung. Wie Moses musste Mohammed emigrieren, um seinen Anhängern, der späteren „Gemeinschaft der Gläubigen“, eine sichere Heimat zu bieten.

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