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Organspende : Den unwiderruflichen Bruch vermieden

Wortführerin der Gegner: Annalena Baerbock (Grüne) sprach während der Bundestagsdebatte mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) Bild: dpa

Zum Glück hat der Bundestag die Widerspruchslösung abgelehnt. Müsste der Staat Schweigen als Zustimmung deuten, so wäre dies eine Abkehr von unserer Werte- und Rechtsordnung.

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          Um es vorweg zu sagen: Dass sich in einer Gesellschaft, die sich der europäischen, aus jüdischen, christlichen und humanistischen Quellen gespeisten „Wertegemeinschaft“ zugehörig fühlt, im vergangenen Jahr nicht einmal tausend Personen bereitgefunden haben, durch das Spenden eines oder mehrerer Organe Mitmenschen einen Tod vor der Zeit zu ersparen, ist sehr betrüblich. Doch wem, wenn überhaupt, ist das anzulasten?

          Der Transplantationsmedizin, die mit Skandalen das Vertrauen der Bürger verspielt hat? Dem Gesundheitswesen, das nicht die richtigen Anreize gesetzt hat? Der Politik, die an einer Rechtslage festhielt, die mit den Möglichkeiten, aber auch den Risiken der Intensivmedizin nicht Schritt hielt?

          Dass in anderen Ländern die Zahl der Spender höher ist, weil ethische Bedenken weniger verbreitet sind oder für den Staat weniger ins Gewicht fallen, kann kein Argument dafür sein, es diesen Ländern gleichzutun. Daher ist die Entscheidung des Deutschen Bundestags rundweg gutzuheißen, die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) forcierte doppelte Widerspruchsregelung mit klarer Mehrheit abzulehnen.

          Notfalls auf der Führerscheinstelle

          Es wäre ein nicht zu kittender Bruch nicht nur in unserer Werte-, sondern in der Rechtsordnung, würde Schweigen von Staats wegen als Zustimmung gedeutet werden können – in einer Sache, bei der um eines der höchsten Rechtsgüter geht, das Recht auf körperliche Unversehrtheit.

          Freilich hat sich der Bundestag nicht mit einer Kundgebung dessen begnügt, was er nicht will. Der Vorstoß des Bundesgesundheitsministers hat immerhin Politiker wie die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock und die Vorgänger Spahns im Amt des Bundesgesundheitsministers, Hermann Gröhe (CDU) und Ulla Schmidt (SPD), mit einem Gegenvorschlag auf den Plan gerufen. Nun soll es nach dem Willen des Parlamentes ein bundesweites Online-Register geben, in dem jeder Bürger seinen Status als potentieller Organspender dokumentieren kann.

          Zwar ist es eine etwas seltsame Vorstellung, womöglich auf der Führerscheinstelle oder im Einwohnermeldeamt mit dem höchstpersönlichen Thema Organspende konfrontiert zu werden. Doch wenn sich auf diese ethisch wie rechtlich unschädliche Weise die Zahl der Bürger erhöhen ließe, die es für eine Tugend halten, im Fall des eigenen Ablebens anderen Menschen ein Weiterleben zu ermöglichen, dann wäre vieles gewonnen.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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