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Oppositioneller Nawalnyj : Der Westen soll gegen korrupte Russen vorgehen

Rechtsanwalt, Blogger, Oppositioneller: Alexej Nawalnyj Bild: dpa

Westliche Staaten sollten nicht die Olympischen Spiele in Sotschi boykottieren, sondern die Nutznießer der Korruption verfolgen. Das fordert der russische Oppositionelle Alexej Nawalnyj in der F.A.Z. Ausdrücklich nannte er Deutschland.

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          Der russische Oppositionelle Alexej Nawalnyj hat die Regierungen westlicher Staaten dazu aufgefordert, gegen Nutznießer von Korruption im Rahmen der Olympischen Spiele in Russland vorzugehen. Einen Boykott der Spiele in Sotschi lehnte Nawalnyj im Gespräch mit dieser Zeitung als bloßen symbolischen Akt ab. „Ich würde es bevorzugen, dass die Vereinigten Staaten, vor allem aber Deutschland, nicht die Spiele sanktionieren, sondern die Leute, die kriminell sind“, sagte Nawalnyj. „Denn sie investieren in Deutschland und im übrigen Europa. Wenn die korrupten Beamten und Geschäftsleute aus dem engsten Kreis um Putin an den Spielen verdienen und das Geld im Ausland investieren, ist das Geldwäsche.“

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Nawalnyj, ein Rechtsanwalt, der über seinen Blog seit Jahren Korruptionsfälle in Russland enthüllt und nach einer Verurteilung nur auf Bewährung auf freiem Fuß ist, stellte am Montag über seine Stiftung zum Kampf gegen Korruption eine neue Studie zu den Kosten und den Gewinnern der Olympischen Spiele vor („Sotschi 2014 - Enzyklopädie der Verschwendung“). Die Ergebnisse sind auch auf Englisch verfügbar.

          „Vollkommene Lüge“

          Angaben von Präsident Wladimir Putin und dessen Regierung, die Spiele kosteten umgerechnet 6,5 Milliarden Dollar, bezeichnete Nawalnyj als „vollkommene Lüge“. Er beziffert die Kosten der Spiele auf fast 46 Milliarden Dollar, was sie mit großem Abstand zu den teuersten Spielen aller Zeiten machen würde.

          Über diese Summe war zuvor berichtet worden, neu ist indes, dass sich Nawalnyj auf öffentlich zugängliche Quellen wie Haushaltsgesetze und Unternehmensberichte beruft. Bei der Berechnung der korruptionsbedingten Kosten der Spiele beschränkt sich Nawalnyj aus methodischen Gründen auf einen Teil der Bauobjekte; er gibt an, 42 Prozent von deren Gesamtpreis seien „gestohlen“ worden. Zu den größten Gewinnern der Spiele zählen laut Nawalnyj Freunde Putins aus Sankt Petersburg, etwa der Chef der Russischen Eisenbahngesellschaft, Wladimir Jakunin, und der Bauunternehmer Arkadij Rotenberg. Nawalnyj sagte weiter, die Menschenrechtsverletzungen von Arbeitern auf den Baustellen in Sotschi hingen direkt mit der Korruption zusammen. „Es ist ein Kreislauf: Mehr illegale Arbeiter, mehr Schmiergeldzahlungen.“

          Das vollständige Gespräch mit Alexej Nawalnyj lesen Sie in der F.A.Z. vom Dienstag, dem 28. Januar, oder am Abend zuvor ab 20 Uhr im ePaper.

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