https://www.faz.net/-gpf-12khc

Opel-Standort Kaiserslautern : Immer größere Sorgen

  • Aktualisiert am

Auch wenn der mögliche Übernahme-Kandidat Fiat versichert, er wolle alle deutschen Opel-Werke erhalten: In Kaiserslautern ist die Verunsicherung besonders groß, weil für ein Motorenwerk künftig vielleicht kein Platz mehr ist. Ministerpräsident Beck betont deshalb in den Verhandlungen die Nähe zum Stammwerk Rüsselsheim.

          Für die von Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) geführte rheinland-pfälzische Landesregierung gehört die Sicherung des Opel-Standorts im westpfälzischen Kaiserslautern zu den nicht verhandelbaren Punkten beim angestrebten Einstieg eines „strategischen Investors“. Zu großer Verärgerung und Aufregung in Mainz führte deshalb auch die Äußerung von Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) nach seinem Treffen mit Fiat-Chef Sergio Marchionne Anfang Mai, wonach das Opel-Werk Kaiserslautern bei einer Übernahme durch den italienischen Autokonzern zur Disposition stehe. Aus dem federführenden Ressort Guttenbergs gebe es nur „sehr spärliche Informationen“ über den Stand der Verhandlungen, klagte Beck.

          Nur wenig beruhigen konnte Beck die tags darauf in einem Interview gegebene Zusage Marchionnes, Fiat wolle alle vier deutschen Opel-Standorte erhalten. Auch ein persönliches Treffen mit Marchionne in Mainz am 8. Mai steigerte nicht das Vertrauen Becks und seines Wirtschaftsministers Hendrik Hering (SPD) in die Tragfähigkeit des Fiat-Konzeptes. Die „Fragezeichen“ seien nach dem Gespräch „eher größer“ geworden, sagte Beck. Er habe „größte Sorgen“ angesichts eines Konzeptes, das für Opel keine eigene Motorenproduktion mehr vorsieht, wie es sie in Kaiserslautern gibt. Nach der Rechnung von Wirtschaftsminister Hering hängen in Rheinland-Pfalz „mindestens“ 15 000 Arbeitsplätze von Opel ab.

          Räumliche Nähe zu Rüsselsheim

          In der Mainzer Staatskanzlei wird in dem Poker um die Zukunft der Opelaner in Kaiserslautern vor allem auf den Vorteil der räumlichen Nähe des Motorenwerks zur zentralen Produktionsstätte im hessischen Rüsselsheim verwiesen, das nur 60 Kilometer entfernt liegt. Wie der hessische Ministerpräsident Koch (CDU) soll Beck dem Vernehmen nach deshalb auch das Konzept des zweiten möglichen Investors, des Bieterkonsortiums um den kanadisch-österreichischen Autozulieferer Magna und den russischen Autobauer Gaz sowie die russische Sber-Bank favorisieren. Mit Blick auf Arbeitsplatzsicherung und wirtschaftliche Zukunft überzeuge eine solche Unternehmensallianz mehr als eine Übernahme durch den Opel-Konkurrenten Fiat oder eine Übernahme durch den amerikanischen Finanzinvestor Riplewood. Uneingeschränkte Unterstützung kommt von der SPD-Landesregierung für das von der Bundesregierung vorgeschlagene Treuhänder-Modell, um im Falle einer Insolvenz des Opel-Mutterkonzerns General Motors die Zahlungsfähigkeit der deutschen Tochter bis zu einer Übernahme durch einen privaten Investor zu sichern.

          Weitere Themen

          Wer ist Boris Johnson? Video-Seite öffnen

          Schillernd und umstritten : Wer ist Boris Johnson?

          Der wirre Haarschopf ist unverkennbar: Boris Johnson liebt den großen Auftritt. Der Brexit-Hardliner ist eine der schillerndsten und umstrittensten Persönlichkeiten der britischen Politik.

          „Er wird großartig sein!“

          Reaktionen auf Johnson-Wahl : „Er wird großartig sein!“

          Boris Johnson ist mit 66,4 Prozent der Stimmen zum neuen Tory-Chef gewählt und wird damit auch neuer britischer Premierminister. Trump gratuliert mit einer Twitter-Botschaft – und Labour-Chef Corbyn fordert Neuwahlen.

          Topmeldungen

          Johnson neuer Tory-Chef : Kein Anlass für Optimismus

          Die Konservativen haben Boris Johnson zum Tory-Vorsitzenden und damit zum nächsten Premier gekürt. Der hat die Emotionen seiner Parteimitglieder perfekt bedient. Die Zukunft des Landes hat bei der Entscheidung eine untergeordnete Rolle gespielt.
          Laut Sebastian Kurz habe es sich bei der Datenvernichtung um einen „normalen Vorgang“ gehandelt.

          Datenträger geschreddert : Kurz und der Reißwolf

          Der damalige österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz ließ nach dem Platzen der Koalition mit der rechten FPÖ durch einen Mitarbeiter inkognito Daten vernichten. Warum?

          Bayern München : Ein Plädoyer für Manuel Neuer

          Nach WM-Desaster und Blessuren kamen an der Unantastbarkeit Zweifel auf. Nun hat Manuel Neuer seine alte Klasse wiedergefunden. Vor dem Saisonstart lobt sich der Torwart. Und Trainer Niko Kovac stellt eine Forderung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.