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Studie zur Online-Propaganda : Moskau ist nicht schuld am Brexit

Laut einer Studie der Universität Oxford ist Russlands Einfluss auf das Brexit-Referendum als gering einzuschätzen Bild: AFP

Dem Kreml wird zuweilen gewaltiger Einfluss in den sozialen Netzwerken zugeschrieben. Beim Brexit-Referendum aber spielten seine Trolle und Bots laut einer Studie der Oxford-Universität kaum eine Rolle.

          Russland hat laut Wissenschaftlern der Oxford-Universität weitaus geringeren Einfluss auf das britische EU-Referendum ausgeübt, als dies andere Studien nahegelegt haben. Das Oxford Internet Institute beurteilte den Anteil von Tweets, der in den Wochen vor der Volksabstimmung von russischen Adressen aus verbreitet wurde, am Dienstag als „nicht erheblich“.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Nach einer Auswertung des Instituts konnten nur 0,6 Prozent aller geteilten Tweets mit Brexit-Hashtag einschlägigen russischen Quellen wie „Russia Today“ oder „Sputnik“ zugeordnet werden. Insgesamt seien in den zwei untersuchten Wochen vor dem Referendum im Juni 2016 etwa 16000 Tweets von 105 russischen Accounts abgeschickt worden. Russische Twitter-Accounts, heißt es in der Studie zusammenfassend, hätten „relativ wenig zur allgemeinen Brexit-Konversation beigetragen“. Auch auf der Video-Plattform Youtube hätten Brexit-bezogene Inhalte russischer Herkunft „nur einen winzigen Anteil“ ausgemacht.

          Die Wissenschaftler setzten sich kritisch mit den Forschungsmethoden und -ergebnissen anderer Universitäten auseinander, die in den vergangenen Wochen Schlagzeilen gemacht hatten. So seien die „Behauptungen“ der Universität in Swansea, wonach sich Tausende Accounts auf die in Russland operierende Internet Research Agency zurückverfolgen ließen, bislang nicht in einer „formalen Veröffentlichung“ verifiziert worden, bemängelten die Forscher.

          Ein Rückschlag für britische Abgeordnete

          Die Studie aus Oxford bedeutet einen Rückschlag für britische Abgeordnete, die derzeit eine parlamentarische Untersuchung russischer Aktivitäten im Umfeld des EU-Referendums verlangen. Die Diskussion über eine Einflussnahme aus Moskau ist stark politisiert, weil Ausstiegsbefürworter den Brexit-Gegnern vorhalten, sie schürten „Hysterie“, um das Ergebnis der Volksabstimmung in Zweifel zu ziehen. Premierministerin Theresa May hat Russlands Einflussnahme auf demokratische Prozesse in westlichen Ländern kritisiert, der Regierung in Moskau aber bislang nicht vorgeworfen, in Britannien aktiv geworden zu sein.

          Unterdessen veröffentlichten Wissenschaftler der Universität von Cardiff eine Studie, derzufolge eine erhöhte Aktivität russischer Online-Accounts nach Terroranschlägen in Britannien zu verzeichnen sei. Viele der Posts seien antimuslimischer Natur, viele aber auch kritisch gegenüber derartigen Positionen gewesen, hieß es in der Studie. „Die Ergebnisse legen eine systematische strategische politische Kampagne gegen das Vereinigte Königreich nah, mit dem Ziel, den öffentlichen Schaden von Terroranschlägen zu verstärken“, schrieben die Autoren.

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