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Olympia 2020 : Japans Chance

  • -Aktualisiert am

Japan jubelt über die IOC-Entscheidung und verknüpft große Hoffnung mit Olympia 2020 Bild: AFP

Japan die Olympischen Spiele 2020 vorzuenthalten, wäre unfair gewesen. Das Land wird ein guter Gastgeber sein, der aufmerksame Blick der Öffentlichkeit auf Fukushima und die Folgen wird Japan guttun.

          Peking hat Olympische Spiele ausgerichtet. Südkorea war Gastgeber der Sommerspiele und wird 2018 die Wintersportler aus aller Welt willkommen heißen. Und da soll das Internationale Olympische Komitee ausgerechnet dem ruhigsten Land der Region, Japan, die Spiele vorenthalten? Das wäre unfair gewesen, womit nicht gesagt werden soll, dass es bei der Vergabe der Spiele durch die Funktionäre zwangsläufig fair zugeht. Unabhängig davon, was in den Augen der Wählenden für Tokio als Ausrichter der Sommerspiele 2020 sprach, muss man jetzt fragen, was es für das Land, was es für die Welt bedeutet.

          Japan wird ein guter Gastgeber sein; ein Gastgeber, der sich um Perfektion in jeder Hinsicht bemüht. Und es wird dem Land guttun, nach der großen Katastrophe von 2011 endlich wieder einmal mit positiven Schlagzeilen hervorzutreten. Genau hier liegt aber auch ein Problem. Kein Land, keine Regierung möchte negative Nachrichten über sich verbreitet wissen. Dieses quasi naturgegebene Streben wird in Japan aber schon in normalen Zeiten auch zu perfektionieren gesucht. Und wenn man sieht, dass es schon bisher nicht gut bestellt war um die Transparenz bei der Bewältigung der Formen der Kernschmelze in Fukushima, dann ist wirklich nicht anzunehmen, dass das in den nächsten sieben Jahren nennenswert besser wird. Jetzt blickt nämlich die ganze Welt erwartungsvoll auf dieses Land. Und da darf man sich um fast keinen Preis blamieren.

          Es wäre eine überaus positive Überraschung, wenn Japan und vor allem seine Regierung sich dazu entschließen könnten, den Augenblick des großen – verdienten – Triumphs zum Anlass zu nehmen, künftig mit offenen Karten zu spielen. Dann könnte jeder mit vollster Überzeugung sagen, die Sportfunktionäre hätten eine weise Entscheidung getroffen. Dann gäbe es nicht nur „sichere“ Olympische Spiele in einer „sicheren“ Stadt. Diese Spiele fänden dann in gewisser Weise in einem anderen Japan als dem statt, das sich um die Ausrichtung beworben hat. Im Rückblick kann man sagen, dass Südkorea die Spiele von Seoul 1988 dazu genutzt hat, ein offenes Land zu werden. Peking hingegen hat 2008 nur die erwartete totalitäre Perfektion abgeliefert. Hier liegt eine große Chance für Japan, dem ungeliebten und gefürchteten Nachbarn etwas vorzumachen. Warum sollte das Land die Welt eigentlich nicht überraschen?

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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