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Kommentar : Das Aufräumen nach dem Gipfel

Nach den Krawallen beim G-20-Gipfel steht Olaf Scholz vor einem Scherbenhaufen. Doch die Grundlagen für die Randale vom Wochenende wurden in Hamburg schon vor Jahren gelegt – indem linksextreme Zentren zu Folklore erklärt wurden.

          Die Hamburger trinken den Kakao sogar noch, durch den sie gerade gezogen worden sind. Sie räumen den Dreck auf, den ihnen die Krawallbrüder am Wochenende hinterlassen haben. Das ist eine fast schon rührende Geste. Die spontanen Putzkolonnen der Bürger müssen ihren Einsatz aber auch als Demütigung empfinden. Erst stehen sie, während sich eine Heerschar von Schaulustigen daran ergötzt, Angst um ihr Hab und Gut aus, dann dürfen sie auch noch den Müll beseitigen, den die „Abenteuerlust“ spätpubertierender Nihilisten hinterlassen hat.

          Auf deren Sympathisanten wirkt das vielleicht wie eine Arbeitsteilung: dem Revoluzzer die Zwille, dem Spießer den Besen. Auf alle, die noch etwas von öffentlicher Ordnung halten, und dazu gehört hoffentlich auch der rot-grüne Senat, muss das hingegen so wirken wie eine politische Bankrotterklärung. Wenn es eine Aufgabe von Politik gibt, dann die, Zustände wie die vom Wochenende zu verhindern.

          Das Argument, Hamburg sei angesichts des Zusammenbruchs dieser Ordnung der falsche Ort für das G-20-Treffen gewesen, wird seltsamerweise gegen alle Welt gerichtet, nur nicht gegen Hamburg. Einzig Olaf Scholz zieht jetzt Kritik auf sich, weil er den Mund vor dem Gipfeltreffen ein wenig zu voll genommen hatte und buchstäblich vor einem Scherbenhaufen steht. Der hat sich aber nicht erst seit vorgestern, sondern über Jahrzehnte aufgebaut, in denen Objekte wie die Hafenstraße und die Rote Flora in Koalitionsverträgen so behandelt wurden, als gehörten sie unter die Rubrik Folklore, nicht ins Kapitel für innere Sicherheit und Extremismus.

          Ausgerechnet Scholz steht für einen anderen Kurs, was kurioserweise nicht die SPD, sondern Angela Merkel honorierte, als sie nach dem Gipfeltreffen mit ihm auftrat. Da niemand aus der SPD dem Ersten Bürgermeister beisprang, musste sich Scholz sogar fragen lassen, ob er zurücktrete. Eher aber wird er die Koalition mit den Grünen aufs Spiel setzen, als dass er seine politische Karriere vom ungeschickten Umgang seiner eigenen Partei mit der inneren Sicherheit abhängig macht.

          Der Konflikt wird sich irgendwann an der Roten Flora entladen. Da die Grünen den linksradikalen Wanderzirkus fast so routiniert verharmlosen wie die Linkspartei, ist nicht ausgemacht, ob Scholz dann auf einen Partner zählen kann, der endlich Farbe bekennt: für die Idiotien militanter Globalisierungsgegner oder für die Leute, die deren Mist aufräumen müssen.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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