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Offshore-Leaks : Chinas Machtelite versteckt offenbar riesiges Vermögen in Steueroasen

  • Aktualisiert am

Chinas Machtelite: Hu Jintao, Präsident Xi Jinping, Wen Jiabao und Li Keqiang (von links) Bild: AFP

Chinas Machtelite betreibt offenbar tausende Scheinfirmen in Steueroasen, um ihr Vermögen zu verschleiern. Auch die Familien von Präsident Xi Jinping und des früheren Regierungschefs Wen Jiabao sollen in die geheimen Geschäfte verwickelt sein.

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          Chinas Machtelite betreibt offenbar seit Jahren tausende Scheinfirmen in Steueroasen, um ihr Vermögen zu verschleiern. Wie die „Süddeutsche Zeitung“, der NDR und der britische „Guardian“ unter Berufung auf die sogenannten Offshore-Leaks berichteten, ist sowohl ein Angehöriger von Präsident Xi Jinping als auch die Familie des früheren Regierungschefs Wen Jiabao in die geheimen Geschäfte in der Karibik verwickelt.

          Demnach stehen auf den Listen auch Angehörige des früheren Regierungschefs Li Peng und des früheren Präsidenten Hu Jintao sowie zahlreiche Parlamentsmitglieder und Führungskräfte. In den Daten finden sich beispielsweise Details zu einer Immobilienfirma die der Schwager von Präsident Xi Jinping zusammen mit Firmen auf den British Virgin Islands besitzen soll, die wiederum vom Schwager des früheren Premiers Wen Jiabo ins Leben gerufen worden sein sollen.

          In den Unterlagen, die das Internationale Konsortium Investigativer Journalisten (ICIJ) in Washington zugespielt bekam, sind den Berichten zufolge mehr als 21.000 Offshore-Firmen von Kunden aus China und Hongkong gelistet. Es handelt sich um einen 260 Gigabyte großen Datensatz, aus dem im vergangenen April eine erste Welle veröffentlicht worden war.

          Schätzungen zufolge wurden seit dem Jahr 2000 Gelder und Firmenanteile im Wert bis zu vier Billionen Dollar (knapp drei Billionen Euro) aus der Volksrepublik verschoben. Keine der betroffenen Politikerfamilien wollte sich zu den Daten äußern.

          Deutsche Bank soll auch involviert sein

          Die Unterlagen dokumentieren auch, dass westliche Banken, darunter auch die Deutsche Bank, dabei halfen, Strukturen in Steueroasen zu errichten und instand zu halten. Die Deutsche Bank erklärte dazu, die Kunden würden „ihre Steuerangelegenheiten vollumfänglich regeln und dabei alle Steuergesetze und Meldeverpflichtungen befolgen“.

          Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsfirma PWC, die Schweizer UBS und weitere westliche Banken sollen dem ICIJ zufolge eine Schlüsselrolle als Mittelsmänner gespielt haben und chinesischen Klienten geholfen haben, Stiftungen und Firmen auf den British Virgin Islands, auf Samoa und in anderen Steuerparadiesen zu gründen. Beispielsweise soll die Credit Suisse Wen Jiabao's Sohn dabei unterstützt haben, seine Firma auf den British Virgin Islands aufzubauen, während sein Vater das Land regierte.

          Die Daten kommen von zwei Offshore-Firmen, die wiederum ihren Kunden geholfen haben sollen, Firmen in Steuerparadiesen, Stiftungen und Bankkonten ins Leben zu rufen: Portcullis TrustNet aus Singapur und Commonwealth Trust Limited auf den British Virgin Islands.

          Das ICIJ hatte im Juni vergangenen Jahres Informationen von rund 100.000 Unternehmen, Fonds und Stiftungen in führenden Steueroasen ins Internet gestellt. Die Offshore-Leaks-Dateien sollten die nötige Transparenz schaffen, um etwa Betrug, Geldwäsche und Steuerhinterziehung bekämpfen zu können, erklärte die Gruppe damals.

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