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Österreich : Schüssel und Grasser ziehen sich zurück

  • Aktualisiert am

Abschied von der Macht von Grasser und Schüssel Bild: REUTERS

Einen Tag nach der Einigung auf eine große Koalition hat Kanzler Schüssel angekündigt, den Vorsitz der konservativen Volkspartei ÖVP niederzulegen, künftig aber deren Fraktion im Parlament zu führen. Finanzminister Grasser will in die „Wirtschaft zurückkehren“.

          Der österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel legt in der Folge seiner Wahlniederlage im Oktober 2006 den Vorsitz der konservativen Volkspartei ÖVP nieder. Er wird nicht als Minister in die große Koalition mit den Sozialdemokraten eintreten, sondern künftig die ÖVP-Fraktion im Parlament führen. Dies gab Schüssel nach einer Sitzung des ÖVP-Vorstandes am Dienstag bekannt.

          Die ÖVP hatte sich am Montag mit den Sozialdemokraten (SPÖ) auf die Bildung einer großen Koalition geeinigt. Schüssel tritt das Amt des Bundeskanzlers an den Wahlsieger Alfred Gusenbauer ab. (Siehe auch: SPÖ und ÖVP einig über große Koalition) Den Amtseid soll das Kabinett am Donnerstag leisten.

          Auch der bisherige österreichische Finanzminister Karl-Heinz Grasser zieht sich aus der Politik zurück. Ihm wird Wilhelm Molterer folgen. Dieser übernimmt auch das Amt des Vizekanzlers und den Parteivorsitz der ÖVP. Er solle beim Parteitag im April gewählt werden. sagte Schüssel. Der Parteivorstand der ÖVP habe das Regierungsprogramm einstimmig gebilligt, sagte Molterer. Der 51 Jahre alte Oberösterreicher war zuletzt der Fraktionsvorsitzende der ÖVP und zuvor mehrere Jahre Landwirtschaftsminister zurück.

          Rückzug ins Private: Grasser mit Frau Fiona Swarovski

          Grasser : „Sieben Jahre sind genug“

          Grasser kündigte indes seine Rückkehr in die Wirtschaft an. Der Vertraute Schüssels gehörte der bisherigen Regierung als Parteiloser an. Der frühere Generalsekretär der rechtspopulistischen FPÖ war bis zuletzt abermals für ein Ministeramt und auch als Vizekanzler im Gespräch.

          „Ich habe immer gesagt, dass ich nicht Berufspolitiker werden möchte - sieben Jahre sind genug“, sagte Grasser. Der Kärntner war vom Rechtspopulisten Jörg Haider in die Politik geholt worden. Nach dem Platzen der ersten Koalition von Kanzler Schüssels ÖVP mit der Freiheitlichen Partei (FPÖ) trat Grasser kurz vor der Neuwahl 2002 aus der FPÖ aus und wechselte in Schüssels Team. Der ÖVP trat er aber nicht bei.

          Für Aufsehen sorgten auch Grassers Auftritte mit seiner Frau Fiona. Mit der Erbin aus dem Tiroler Kristall-Unternehmen Swarovski an seiner Seite war Grasser auch häufig in den Klatschspalten zu finden. Über seine Zukunft sagte Grasser, er werde jetzt eine Auszeit nehmen. „Ich kümmere mich um meine Frau, die Kinder und die Hunde“, sagte er.

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