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Österreich : ÖVP erzielt Überraschungssieg - Haiders FPÖ stürzt ab

  • Aktualisiert am

Mit wem geht es weiter? Die Spitzenkandidaten der österreichischen Parteien Bild: AP

Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und seine konservative Volkspartei (ÖVP) haben die Parlamentswahlen in Österreich deutlich gewonnen.

          2 Min.

          Entgegen aller Prognosen hat die konservative Volkspartei (ÖVP) von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel am Sonntag bei der vorgezogenen Parlamentswahl in Österreich einen Sensationssieg erzielt. Sie konnte von 26,9 Prozent vor drei Jahren auf jetzt 42,3 Prozent zulegen. Das ist der größte Zugewinn, den je eine Partei in Österreich seit 1945 erreicht hat.

          Wahlverlierer war die Freiheitliche Partei (FPÖ) des Rechtspopulisten Jörg Haider, die nur noch 10,2 Prozent der Stimmen erhielt. Sie war bei der Wahl 1999 mit 26,9 Prozent noch zweitstärkste Partei nach den Sozialdemokraten (SPÖ) gewesen. Die oppositionelle SPÖ gewann 36,9 Prozent (plus 3,7 Prozentpunkte), die Grünen blieben mit 8,9 Prozent fast unverändert.

          Gespräche zur Regierungsbildung ab Montag

          Nach diesem Ergebnis beginnen am Montag die Diskussionen über die neue Regierung. Es wird eine Neuauflage der Mitte-rechts-Koalition von ÖVP und FPÖ erwartet. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel ließ es am Wahlabend offen, wie die künftige Regierung aussehen wird. Denkbar ist auch eine große Koalition mit den Sozialdemokraten, wie sie über Jahrzehnte hinweg die Politik in Wien bestimmt hat. Schüssel erklärte, er sei nach allen Richtungen offen. Der Vorsitzende der FPÖ, Herbert Haupt, ließ noch am Wahlabend durchblicken, seine Partei wolle die Zusammenarbeit mit der ÖVP fortsetzen. Die Entscheidung darüber soll am Montagnachmittag fallen.

          Wahlsieger: Österreichs Kanzler Wolfgang Schuessel

          Der Vorsitzende der erstmals seit 1966 von der Volkspartei überholten Sozialdemokraten (SPÖ), Alfred Gusenbauer, bekräftigte am Sonntag abend seine Ankündigung, falls ÖVP und FPÖ koalierten, gehe er in die Opposition.

          ÖVP legte in den Großstädten zu

          in den Großstädten konnte die ÖVP zweistellig zulegen und erhielt in Salzburg, Innsbruck, Bregenz, Graz und Eisenstadt die meisten Stimmen. Die SPÖ ist in Wien, St. Pölten, Linz und Klagenfurt die stärkste Partei. Klagenfurt blieb trotz hoher Verluste mit 21,7 Prozent die Hochburg der FPÖ. Die Grünen erzielten ihre besten Ergebnisse in Innsbruck (19,2 Prozent) und in Bregenz (17,3 Prozent). Von den Bundesländern konnte die SPÖ Kärnten zurückerobern, wo bisher die FPÖ mit Landeshauptmann Jörg Haider bestimmend war. Das einzige weitere Bundesland mit sozialdemokratischer Mehrheit war am Sonntag das Burgenland.

          „Wir freuen und riesig!“, sagte ÖVP-Generalsekretärin Maria Rauch- Kallat. Sie kündigte Koalitionsgespräche mit allen Parteien an. „Wir haben unser Wahlziel nicht erreicht“, bekannte dagegen der Haider-Vertraute und FPÖ-Spitzenkandidat Herbert Haupt. Die vom Kärntener Landeshauptmann Jörg Haider entmachtete frühere Chefin der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ), die Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer, hat Haider als ihrem Vorgänger an der Parteispitze die Schuld an dem Wahldebakel gegeben.

          Die SPÖ habe zwar Stimmen und Mandate gewonnen, das Wahlziel aber verfehlt, erklärte Bundesgeschäftsführerin Doris Bures. Parlamentspräsident Heinz Fischer (SPÖ) sprach sich dafür aus, dass seine Partei in der Opposition bleibt. Enttäuscht gaben sich auch die Grünen. Wahlforscher berichteten in ersten Analysen, dass die mit der FPÖ unzufriedenen Wähler praktisch komplett zur ÖVP abgewandert sind.

          Hohe Wahlbeteiligung

          Bei der Parlamentswahl in Österreich hat sich am Sonntag eine hohe Beteiligung abgezeichnet. Die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtete, aus praktisch allen Bundesländern werde eine größeres Interesse gemeldet als 1999. Damals lag die Wahlbeteiligung bei 80,4 Prozent. Wahlberechtigt sind rund 5,9 Millionen Bürger.

          Für Aufsehen sorgte die Stimmabgabe von Bundeskanzler Schüssel. Er forderte die Journalisten lautstark auf, das Wahllokal zu verlassen und schlug einem Fotografen aufs Objektiv. Später entschuldigte sich Schüssel dafür. Prognosen wollte der ÖVP-Chef keine abgeben: „Ich bin entspannt. Das, was ich tun kann, habe ich gemacht. Ich habe ein gutes Gefühl,“ sagte er laut APA.

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