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Österreich : Die Staatstrauer

  • Aktualisiert am

Tod vor dem Ende der Amtszeit: Thomas Klestil Bild: AP

Politiker in aller Welt haben nach dem Tod des österreichischen Bundespräsidenten Thomas Klestil ihr Beileid bekundet. Die Regierung in Wien ordnete eine viertägige Staatstrauer an.

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          Der österreichische Bundespräsident Thomas Klestil ist am späten Dienstag abend verstorben. Der Bundespräsident starb zwei Tage, nachdem er einen Herzstillstand erlitten hatte, in einem Wiener Krankenhaus; mehrere Organe hatten versagt. Am Montag war Klestil in ein künstliches Koma versetzt worden. Die Regierung in Wien ordnete eine viertägige Staatstrauer an.

          Der Sarg Klestils wurde am Mittwoch in der Präsidentschaftskanzlei aufgebahrt. Nachdem die Spitzen der Bundesregierung und viele Politiker Abschied genommen und der Witwe und seinen drei Kindern kondoliert hatten, wurde die Hofburg für die Bevölkerung geöffnet.

          Der Strom der Österreicher, die sich von Klestil in seinen Amtsräumen verabschieden wollten, riß bis zum Abend nicht ab. Am Freitag soll der Verstorbene in die Hofburgkapelle überführt werden. Das Staatsbegräbnis ist für Samstag angesetzt; nach einem Requiem im Stephansdom wird der Leichnam des siebten Staatsoberhauptes der Zweiten Republik in der Präsidentengruft am Zentralfriedhof beigesetzt.

          Thomas Klestil und sein designierter Nachfolger Heinz Fischer im April 2004

          An diesem Donnerstag wird in der Bundesversammlung wie vorgesehen, aber in einer verkürzten Zeremonie, der neue, im April gewählte Bundespräsident Heinz Fischer vereidigt. Danach soll im alten Reichsratssitzungssaal Thomas Klestils gedacht werden. Parlamentspräsident Andreas Khol bedauerte, daß es Klestil "nicht vergönnt war, den Dank, den Respekt und die Anerkennung, die wir alle für diesen Staatsmann hegen, selber zu hören. Wir trauern um unser Staatsoberhaupt, sind erschüttert und betroffen von den Umständen und der Tragik des Todes." Khol fügte hinzu, die Republik sei "stärker geworden unter seiner (Klestils) Führung".

          Bundeskanzler Wolfgang Schüssel erwähnte auch "manche Schwierigkeiten", die es zwischen der Hofburg und dem Kanzleramt gegeben habe. In den letzten Monaten sei es zwischen dem Bundespräsidenten und ihm jedoch wieder zu einem "regen Gedankenaustausch" gekommen. Für ein "gutes Gespräch" drei Tage vor dem Herzversagen Klestils sei er "dankbar", sagte Schüssel. Der künftige Bundespräsident Fischer lobte das "nicht nur herzliche, sondern sehr herzliche" Verhältnis zu seinem Vorgänger. Klestil habe "alles getan, um die Amtsübergabe harmonisch, reibungslos, freundschaftlich" zu gestalten. Der aus der Volkspartei kommende Klestil hatte seinem aus der SPÖ stammenden Nachfolger die Gelegenheit gegeben, ihn zu einem Staatspräsidententreffen zu begleiten.

          Politiker in aller Welt bekundeten ihr Beileid. Bundeskanzler Schröder hob Klestils Einsatz für den europäischen Einigungsprozeß hervor. Bundespräsident Horst Köhler schrieb: "Deutschland hat einen Freund verloren." Sein letzter Staatsbesuch hatte Klestil zu Köhlers Vorgänger Rau nach Berlin geführt. Der bayerische Ministerpräsident Stoiber würdigte Klestil als "herausragende Persönlichkeit und ein Vorbild an Pflichterfüllung".

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