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Ölpest in Amerika : Wut überall

Bild: reuters

Seit sieben Wochen können die Amerikaner verfolgen, wie die Öl-Katastrophe immer erschreckendere Dimensionen annimmt. Nicht nur auf BP wird ihre Wut immer größer, auch auf die eigene Regierung. Obamas Ohmacht wird ihren Preis fordern, spätestens im Herbst bei den Kongresswahlen.

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          Die Ölpest im Golf von Mexiko ist, bei aller Vorsicht bei der Verwendung von Superlativen, die schlimmste Umweltkatastrophe in der amerikanischen Geschichte. Seit dem Untergang einer Plattform am 20. April tritt Öl aus, und zwar viel mehr als bisher angenommen. Die Versuche des Betreibers BP, den Ölaustritt zu stoppen, sind weitgehend gescheitert; die Ölpest breitet sich aus.

          Seit sieben Wochen können die Amerikaner also verfolgen, wie die Katastrophe immer erschreckendere Dimensionen annimmt – man braucht sich nicht darüber wundern, dass ihre Wut auf das Unternehmen immer größer wird, aber auch auf die eigene Regierung. Dieser Fall führt dem Präsidenten seine Ohnmacht vor, nicht tun zu können, was die Leute von ihm erwarten. Das Gefühl der Machtlosigkeit ist bitter, zumal die Bilder unablässig ausströmenden Öls und verschmutzter Tiere noch ihren Preis fordern werden, spätestens im Herbst bei den Kongresswahlen.

          Schon jetzt klebt am Weißen Haus im übertragenen Sinne das Öl. Man kann daher verstehen, dass Obama seinerseits gereizt reagiert und wütend auf BP ist. Aber Wutausbrüche helfen ebenso wenig weiter wie die Agitation des Kongresses, das Unternehmen in den Ruin zu treiben. Es ist auch nicht hilfreich, aus der Katastrophe einen britisch-amerikanischen Konflikt zu machen. Da kann schnell eins gegen das andere aufgerechnet werden: „unser“ Öl gegen „eure“ Ramschpapiere, welche die Welt in den finanziellen Abgrund gerissen haben. Die Gemüter sollten sich, so weit das möglich ist, beruhigen, damit nicht auch noch politischer Schaden unter alten Verbündeten angerichtet wird. Schon jetzt werden die ökologischen und wirtschaftlichen Folgen des 20. Aprils noch in Jahren zu spüren sein. Manche Schäden sind ohnehin nicht zu reparieren.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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