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Ökumenischer Kirchentag : Applaus bekommen die Kritiker

Bischof Ackermann und Jesuitenpater Mertes Bild: dpa

Der Weg zum Frieden ist noch weit: Auf dem Ökumenischen Kirchentag in München ist ohne Tabus über sexuellen Missbrauch diskutiert worden. Der Trierer Bischof Ackermann zeigte sich erschrocken über den Versuch, mit dem Thema Kirchenpolitik zu betreiben.

          Unser Friede – ihr Friede? Eigentlich sollte der Trierer Bischof Stefan Ackermann an diesem Freitagvormittag auf einem Podium des Ökumenischen Kirchentags sitzen und über das Verhältnis von staatlicher Sicherheitspolitik und kirchlicher Friedensarbeit diskutieren. Doch seit drei Monaten steht der Bischof weniger als Vorsitzender der Kommission Iustitia et Pax der Deutschen Bischofskonferenz im Fokus der Öffentlichkeit denn als Beauftragter für Fälle sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche in Deutschland.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Gleichwohl hätte „Unser Friede – ihr Friede“ auch als Motto über der Veranstaltung stehen können, in der Ackermann auf eigenen Wunsch eine Hauptrolle spielt. In einer der größten, für sechstausend Zuhörer ausgelegten Halle auf dem Gelände der Münchner Messe geht es um den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche. Zum Bersten gefüllt ist die Halle nicht. Doch die drei-, vielleicht viertausend überwiegend der mittleren Generation angehörigen Kirchentagsbesucher, die das Interesse an diesem Thema und vielleicht auch die widrige Witterung in die Halle C1 verschlagen hat, werden Zeuge einer leidenschaftlich ausgetragen Debatte über die institutionelle Dimension des – so die Moderatorin – tausendfachen Missbrauchs durch katholische Geistliche in Deutschland.

          Drei Risikofaktoren sexuellen Missbrauchs in der Kirche

          Auftritt Klaus Mertes, Priester, Jesuit, Direktor des Berliner Canisiuskollegs. Philosophisch geschult, intellektuell brillant und rhetorisch versiert verwendet Mertes keine Minute auf die Nacherzählung der Ereignisse der vergangenen Monate und Jahre. Mit wenigen Sätzen schlägt er den Bogen von der Erfahrung der Opfer, als Person von einer Person missbraucht worden zu sein, zu deren Bedürfnis, ihr Verhältnis zu der Institution zu klären, in deren Schutz, wenn nicht in deren Namen das Unfassbare geschah. „Der zweite Aspekt schmerzt heute oft noch mehr als der erste Aspekt“, sagt der Jesuit, der im Januar mit der Aufforderung an ehemalige Schüler, die von Jesuiten missbraucht worden waren, die Mauer des innerkirchlichen Schweigens zum Einsturz gebracht hatte. Damit nicht genug. „Wer nicht hören kann, der kann nicht sprechen“, fährt er fort, um die Unfähigkeit der Institution, die Perspektive der Opfer einzunehmen, als systemisches Versagen zu entlarven.

          Für den Priester ist das jahrzehntelange Verdrängen und Vertuschen von Verbrechen an Kindern und Jugendlichen die Kehrseite einer auf Tabus, Verboten und Verdrängungen gegründeten katholischen Sexualmoral – einschließlich des Themas Homosexualität. Auch das mache zusammen mit dem Missbrauch der geistlichen Vollmacht durch Priester den „speziell katholischen Geschmack des Missbrauchs“ aus. Der Beifall, der dem Jesuiten immer wieder entgegenbrandet, klingt nicht nach Jubel. Der Schuldirektor hat sich nicht nur zum Sprachrohr der Opfer gemacht, sondern auch die Gefühle der meisten Zuhörer ins Wort gebracht.

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