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Odenwaldschule : Wie eine Schülerin eingeschüchtert wurde

Die Odenwaldschule in Heppenheim Bild: dpa

Ein Mädchen an der Odenwaldschule meldet verdächtiges Verhalten ihres Klassenlehrers. Sie will anonym bleiben. Dann wird sie vor ihren Mitschülern von einer Lehrerin eingeschüchtert. 

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          Es war eine Schülerin, die eigentlich vom Unterricht jenes Mathematiklehrers an der Odenwaldschule, der inzwischen wegen des Besitzes kinderpornographischen Materials entlassen wurde, begeistert war. Sie hatte nämlich zum ersten Mal in ihrem Leben Mathematik verstanden. Gerade deshalb wollte die Schülerin keinesfalls als Hinweisgeberin genannt werden, als sie im Mai 2013 erstmals dem früheren Internatsleiter Roland Kubitza und der ehemaligen Schulleiterin Katrin Höhmann von irritierenden Verhaltensweisen ihres Klassenlehrers erzählte.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Die Schülerin hatte damals nicht nur von der längst bekannt gewordenen Klassenfahrt unmittelbar vor den Pfingstferien nach Südfrankreich berichtet, bei der sämtliche Zelte nass geworden waren und alle wegen der bevorstehenden Abreise im großen Küchenzelt übernachteten. Der inzwischen entlassene Lehrer hätte mitten zwischen den Schülerinnen und Schülern geschlafen. Ein zweiter Lehrer hatte sich am Rande plaziert. Der Internatsleiter und die ehemalige Schulleiterin stellten den betroffenen Lehrer seinerseits zur Rede und fragten auch nach der Übernachtung im Zelt. Der Lehrer berichtete davon, dass er sich als „Grenze“ zwischen einen Jungen und ein Mädchen gelegt habe, weil diese unerlaubt die räumliche Trennung zwischen den beiden Geschlechtern aufgehoben und nebeneinander geschlafen hätten. Die Schüler bestritten sexuelle Annäherungen – auch untereinander, weil sie vor allen anderen im Zelt ohnehin ganz undenkbar gewesen wären.

          Alle wussten, um wen es ging

          Als das berichtende Mädchen eines Tages auf dem Sportplatz der Schule Tennis spielte, kam eine Lehrerin, die schon unter dem früheren Schulleiter Gerold Becker an der Odenwaldschule unterrichtete, auf den Platz und wollte ihn für sich beanspruchen. Lehrerin und Schülerin stritten sich um die Nutzung. Schließlich gipfelte die Auseinandersetzung in dem Ausspruch der Lehrerin „Ich spiele nicht mit Schülern, die Lehrer mobben“, den mehrere Mitschüler hörten.

          Die Schüler wussten sehr genau, um welchen Lehrer es ging. Die damaligen Verantwortlichen entschuldigten sich für das Verhalten der Lehrerin und versprachen der Schülerin, dass sie sich sofort darum kümmerten. Diese Zusage haben sie auch eingehalten und der Lehrerin im Juni 2013 eine Abmahnung übergeben, die mit jenem drohenden Ausspruch der Schülerin gegenüber begründet wurde.

          Mit der Konsequenz der Verantwortlichen hatte die Lehrerin offenkundig nicht gerechnet. Sie soll dem Vernehmen nach Schülern und Lehrern empört erzählt haben, dass sie abgemahnt worden sei. Als Rechtsvertreterin wählte die abgemahnte Lehrerin ausgerechnet eine Rechtsanwältin aus Heppenheim, die bis heute dem Vorstand des Elternbeirats angehört. Doch damit nicht genug: Die Rechtsanwältin ist darüberhinaus gewähltes Mitglied im Trägerverein der Schule und Mutter eines Kindes, das in der Wohngruppe von der abgemahnten Lehrerin betreut wird. War es nur Zufall, dass sie sich vor kurzem im Namen des Elternbeirats dezidiert für die Beibehaltung der Familienstruktur aussprach? Trotz ihrer Befangenheit und ihrer vielfältigen Funktionen hatte sie das Mandat angenommen.

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