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Odenwaldschule : Lehrerin setzte Schülerin unter Druck

  • -Aktualisiert am

Das älteste Wohnhaus der Odenwaldschule: das Goethe-Haus Bild: dpa

An der Odenwaldschule ist eine Schülerin eingeschüchtert worden, weil sie eine Grenzverletzung meldete. Über den Umgang mit dem Fall gibt es an der Schule offenbar Differenzen.

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          An der Odenwaldschule, wo Lehrer jahrelang systematisch Schüler missbraucht haben, werden immer noch Schüler eingeschüchtert, wenn sie Grenzverletzungen melden. In Unterlagen, die die Schule den Aufsichtsbehörden kürzlich vorlegen musste, ist ein solcher Fall dokumentiert. Eine Schülerin hatte sich an die Schulleitung gewandt, weil ein Lehrer im Zelt mit Schülern übernachtet hatte. Bei einer Verabredung zum Sport sagte eine andere Lehrkraft daraufhin zu ihr: „Ich spiele nicht mit Schülern, die Lehrer mobben.“ Das geschah vor den Augen anderer Schüler.

          Bei dem Lehrer handelte es sich um einen Mann, gegen den wegen Besitzes von Kinderpornographie ermittelt wird. Er war in der Schule zuvor schon mehrfach aufgefallen. So war er oft allein mit einem 12-jährigen Schüler im Zimmer und übernachtete mit ihm in einem Zelt auf dem Schulgelände. Die Schule stellte den Lehrer, den die Schüler „Pädobär“ nannten, von Juni 2013 an unter Beobachtung. Aber die Schule meldete diese Vorgänge weder dem Jugendamt noch entband sie den Lehrer als Oberhaupt seiner Internatsfamilie.

          Die Heimaufsicht wird dieses Vorgehen nicht mehr dulden. „Wir wollen der Schule nicht schaden, aber wir lassen uns nicht daran hindern, zum Wohl des Kindes tätig sein zu können“, sagte der Vize-Landrat des Kreises Bergstraße, Matthias Schimpf, der F.A.S. Das hessische Sozialministerium verlangt von der Schule eine Stellungnahme zur grundsätzlichen Tragfähigkeit ihres Präventions- und Betreuungskonzepts. Dazu gehöre auch „die Trennung von Erziehern und Lehrern sowie das Familienprinzip der Schule“, sagte eine Sprecherin.

          Über den Umgang mit Grenzverletzungen gibt es in der Schule offenbar Differenzen. Die Schulleitung hatte die einschüchternde Lehrkraft abgemahnt, weil sie „die Schülerin moralisch unter Druck“ gesetzt habe. Der neue Leiter der Odenwaldschule, Siegfried Däschler-Seiler, nahm diese Abmahnung bei seinem Amtsantritt wieder zurück. Gemäß dem Untersuchungsbericht von 2010 sollen an der Odenwaldschule zwischen 1965 und 1998 mindestens 132 Schüler Opfer von Übergriffen durch Lehrer geworden sein.

          Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 18. Mai 2014 oder ab 20 Uhr im ePaper.

          Richtigstellung

          In dem Beitrag „Odenwaldschule Lehrerin setzte Schülerin unter Druck“ sowie in der Korrektur zu diesem Beitrag haben wir behauptet, dass die Schulleitung die Abmahnung der Lehrkraft auf Betreiben des Präventionsbeauftragten vornahm. Die Behauptung stellen wir dahin richtig, dass die damalige Schulleitung die Abmahnung aus eigener Initiative ausgesprochen hat.

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