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Odenwaldschule : Die „wunderschönen Jungfrauen“ und die Burg

Anschuldigungen gegen Lehrer erreichten im vergangenen Winter die Schulleiterin der Odenwaldschule Bild: ddp

Er war ein beliebter, geliebter, engagierter Lehrer. Ein Mensch, kein Monster. Aber offenbar hatte er ein Problem. Alt-Schüler erheben neue Vorwürfe gegen einen weiteren Lehrer der Odenwaldschule. Er soll sich auf Ausflügen in seinem VW an ihnen vergangen haben.

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          Amelie Fried hat unlängst in der F.A.Z. berichtet, wie ihr „Familienvater“ an der Odenwaldschule sich zu ihr und den anderen in den Mädchen-Duschraum drängte. Wie er sie zu Strip-Poker-Runden in seiner Wohnung nötigte. Wie er sie „verklemmte schwäbische Spießerin“ nannte, als sie nicht mitmachen wollte. „Wie ich mich diesem Druck schließlich beugte, mich furchtbar schämte.“ Doch letztlich sei sie damals zu der Überzeugung gelangt, das Schamgefühl sei eben ihr Problem und „gemeinsames Duschen und Strip-Poker seien normal“. Normal war auch, dass eine Mitschülerin nachts ihr Zimmer verließ und im Nachthemd in die Wohnung des „Familienvaters“ schlich. Sein Name ist J. K.

          Philip Eppelsheim
          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Schülerin im Nachthemd, A., gehörte zur ersten „Familie“ von J. K., der 1968 an die Odenwaldschule kam. Eigentlich sollten ledige Lehrer keine Mädchen in ihren „Familien“ haben. Mit einem grün bepinselten VW-Cabrio, gebraucht gekauft „mit Beginn des Wirtschaftswunders“, wie J. K. schreibt, war er an die Odenwaldschule gekommen. Der Wagen parkte zunächst vor dem Humboldthaus, später vor dem Schillerhaus. Das rostige, freakige Cabriolet war eine Sensation. Vor allem für das Kind, das neben J. K. sitzen durfte, wenn er offen über das Schulgelände fuhr. „Warmherzig, ein toller Typ, ein Vater“ - so wird J. K. von Altschülern beschrieben, die in den über den Hügel gestreuten Häusern des Internats mit ihm zusammenlebten.

          J. K. wanderte nachts mit ihnen, er spielte Gitarre am Lagerfeuer, teilte mit ihnen seine „Gitanes“. Die letzte Zigarette zerbrach er; eine Hälfte nahm er, die andere bekam ein Schüler. Und J. K. fuhr mit den Kindern und Jugendlichen in den Hunsrück: zur Burg Waldeck. „Ein Ort, den sich der liebe Gott geschaffen haben könnte, um selbst dort zu wohnen“, schreibt J. K.. Aber er benutzt das Bild auch für andere Orte. Burg Waldeck kannte er seit langem, hatte dort Anfang der sechziger Jahre die „Wiesbadener Hütte“ mitgebaut, in die er nun seine Schüler brachte: eine kleines Holzhaus auf einem Schieferfelsen, am Rand des steil abfallenden Baybachtals. Ohne J. K. hätte es die bis heute bestehende Verbindung der Odenwaldschule zur Burg Waldeck nie gegeben.

          Der VW-Bus diente als Vehikel und Schlafstätte, die Kinder teilten mit dem Lehrer das Lager im Bus
          Der VW-Bus diente als Vehikel und Schlafstätte, die Kinder teilten mit dem Lehrer das Lager im Bus : Bild: André Laame

          Verliebt in einen Hitlerjungen

          Er ist ein alter Mann inzwischen, hat Kinder und Enkel, und er hat Herzinfarkte überstanden. Er war ein beliebter, geliebter, engagierter Lehrer. Ein Mensch, kein Monster. Aber offenbar hatte er ein Problem. Ein Problem, das er an andere weitergab, denen es bis heute keine Ruhe lässt - um das Mindeste zu sagen. Dagegen kann er den Altersfrieden nicht geltend machen.

          J. K. wurde 1931 geboren. Er ist Sohn eines „humanistischen Vaters“, eines Doktors der Philosophie. Seine eigene humanistische Laufbahn ist nach eigenem Bekunden „schmählich“ gescheitert; er lernte Fein- und Rundfunkmechaniker, fuhr zur See. Schließlich legte er ein „Externabitur“ ab und studierte Psychologie. Den Schriftsteller und Wandervogel Werner Helwig bezeichnet J. K. als „Freund und Lehrmeister.“ Helwig gehörte dem Führungszirkel des „Nerother Wandervogels“ an, war seit 1927 auf der Burg Waldeck in einem „intensiven männerbündischen Freundeskreis“. 1932 verbüßte er sechs Monate Gefängnisstrafe wegen Unzucht mit Kindern unter 14 Jahren. Nachdem die Nationalsozialisten 1933 den „Nerother Wandervogel“ zur Selbstauflösung zwangen, organisierte Helwig heimliche Treffen. Er emigrierte 1934.

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