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: Obama rügt Koranverbrennung

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rüb. WASHINGTON, 3. April. Präsident Barack Obama hat die Koranverbrennung an einer extremistischen Kirche in Florida sowie die dadurch hervorgerufenen Gewalttaten in Afghanistan in scharfem Ton verurteilt.

          rüb. WASHINGTON, 3. April. Präsident Barack Obama hat die Koranverbrennung an einer extremistischen Kirche in Florida sowie die dadurch hervorgerufenen Gewalttaten in Afghanistan in scharfem Ton verurteilt. In einer Mitteilung des Weißen Hauses vom Samstag in Washington hieß es: „Die Schändung eines heiligen Textes, den Koran eingeschlossen, ist ein Akt extremer Intoleranz und Bigotterie. Als Reaktion darauf jedoch unschuldige Menschen anzugreifen und zu töten, ist ungeheuerlich und ein Affront für menschlichen Anstand und Würde.“ Keine Religion toleriere das „Abschlachten und Enthaupten“ Unschuldiger, sagte Obama.

          Bei gewalttätigen Protesten gegen die Koranverbrennung kamen am Samstag in der südafghanischen Stadt Kandahar mindestens neun Menschen um, mehr als 80 Menschen wurden bei den Zusammenstößen verletzt. Am Freitag hatten aufgebrachte Menschen in Masar-i-Scharif im Norden des Landes ein Büro der Vereinten Nationen gestürmt und sieben Ausländer getötet. Nach Angaben des afghanischen Innenministeriums in Kabul demonstrierten am Sonntag im ganzen Land rund 4000 Menschen gegen die Koranverbrennung. Auch in Kabul und Herat gingen am Samstag Hunderte von Demonstranten auf die Straße, um gegen die Aktion des radikalen amerikanischen Predigers Terry Jones in Florida zu protestieren.

          Der umstrittene Pastor in Gainesville hatte schon am 20. März in seiner Gemeinde einen Koran verbrannt und Aufnahmen davon ins Internet gestellt. Über den Vorfall an der kleinen Kirche hatten die amerikanischen Medien nicht berichtet, um dem unbedeutenden Pastor keine Bühne zu bieten. Erst die empörten Reaktionen des pakistanischen Präsidenten Asif Ali Zardari und des afghanischen Staatschefs Hamid Karzai brachten den Vorfall ans Licht der Öffentlichkeit. Zardari hatte von einem "ernsten Rückschlag" für die zivilisierte Welt gesprochen, Karzai hatte die Tat am Donnerstag verurteilt und gefordert, den Prediger festzunehmen. Tags darauf wurde die Koranverbrennung von Florida zum Thema zahlreicher Predigten bei den Freitagsgebeten in zahlreichen Moscheen Afghanistans. Aus Mazar-i-Sharif war berichtet worden, die antiwestlichen Proteste seien zunächst friedlich gewesen, dann aber eskaliert. Nach Augenzeugenberichten waren die Sicherheitskräfte, die mit dem Schutz des UN-Anwesens beauftragt waren, völlig überfordert, als der Mob angriff. Die Polizei konnte die Gewalt erst nach Stunden beenden.

          Im vergangenen Jahr hatte Pastor Jones weltweit Aufsehen erregt, weil er das heilige Buch der Muslime am Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September hatte verbrennen wollen. Seinerzeit hatten sich zahlreiche geistliche und politische Führer dafür eingesetzt, dass die umstrittene Aktion unterblieb. Auch Präsident Obama hatte Jones gebeten, auf die Aktion zu verzichten. Nach seiner im September 2010 zunächst abgesagten und jetzt doch vollzogenen Koranverbrennung sagte Pastor Jones dann, er fühle sich "nicht verantwortlich" für die gewalttätigen Proteste. Der Tod der UN-Mitarbeiter werde "nichts an dem ändern, was wir tun", sagte er: "Die Zeit ist gekommen, den Islam zur Verantwortung zu ziehen."

          Der UN-Sicherheitsrat verurteilte den Überfall von Masar-i-Scharif und forderte von der afghanischen Regierung Konsequenzen und eine lückenlose Aufklärung. Die Verantwortlichen müssten gefunden und bestraft werden.

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