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Obama in Berlin : Er will immer noch die Welt retten

Obama in Berlin: „Ihr müsst das Gefühl bekommen, dass Ihr nicht alleine seid, sondern motiviert von denselben Werten und Visionen“ Bild: Reuters

Was er als Präsident nicht geschafft hat, versucht Barack Obama nun mit seiner Stiftung nachzuholen. In Berlin spricht er vor 300 jungen Leuten – und hat für sie einige Ratschläge parat.

          Was bleibt einem amerikanischen Präsidenten nach acht Jahren im Amt, wenn er noch so jung ist wie Barack Obama, wenn er gerne Reden hält und wenn er den Eindruck hat, trotz seiner Präsidentschaft sei die Welt noch nicht endgültig ein besserer Ort geworden? Obama hat eine Stiftung gegründet, die seinen Namen trägt, und die ihm nun Gelegenheit gibt, mit eiligen Schritten die Kontinente zu durchmessen, um dieses Ziel, die bessere Welt, doch noch zu erreichen. Am Samstag hat er es in Berlin versucht. Vor einem Publikum von 300 jungen Leuten, die von der Obama-Stiftung als „emerging leaders“ identifiziert worden sind, also als Führungskräfte von morgen, tritt Obama nachmittags in einer Berliner Hochschule auf, auf einem Podium, dass ihm so viel Platz zum hin- und herwandern gibt, dass die Saalkamera, die seinen Auftritt an eine Leinwand über den Köpfen der Zuschauer und an Computerbildschirme in aller Welt überträgt, ihn manchmal aus dem Auge verliert.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Er ist deutlich grauer geworden in der Zeit, die seit seinem Regierungsende vergangen ist, und macht das selbst gleich zum Thema: vor zehn Jahren, als er zum ersten Mal vor der Berliner Siegessäule auftrat (eine Rede-Auftritt vor dem Brandenburger Tor hatte ihm die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel damals verweigert), da habe er noch viel dunkleres Haar gehabt, „und es waren auch einige Zuschauer mehr da“.

          Zu jung fürs Altenteil

          Dieses Mal hat die neue Obama-Stiftung das Auditorium selbst ausgesucht, junge Politiker, Wissenschaftler, Unternehmer, etwa Elsa aus Schweden, die Programme gegen die Verschwendung von Essensresten entwickelt, oder Paul aus Rumänien, der gegen die Korruption in seinem Land kämpft. Die größte Aufmerksamkeit unter ihnen erhält Aminata Touré, eine 27 Jahre alte Landtagsabgeordnete aus Kiel, deren Eltern aus Mali stammen und die den Hauptredner des Nachmittags als „mein Vorbild“  beschreibt und als jemanden, „der mich immer inspiriert hat“.

          Obama widmet einen großen Teil seines Auftritts der Erläuterung, was seine Stiftung denn künftig bezwecken soll. Er habe sich nach dem Ende seiner Präsidentschaft zu jung gefühlt fürs Altenteil, sagt er, und seine Frau Michelle und ihn hätten weiterhin „eine ganze Reihe von Themen“ bewegt: Klimawandel, mehr Toleranz und Respekt in der Welt, Gleichberechtigung der Geschlechter, und Gleichheit in der globalisierten Welt. Und da ihm das alleine ein wenig viel erschienen sei, habe er gedacht, der einzige Weg, hier zu Fortschritten zu kommen, sei es, die nächste Generation zum Mitmachen zu bewegen. Das ist der Zweck, dem sich die Obama-Stiftung nun widmen will. Zusammenkünfte von jungen Idealisten wie am Samstag in Berlin sollen auf allen Kontinenten stattfinden, ehrenamtliche Initiativen sollen unterstützt, enthusiastische Einzelne sollen ermutigt werden.

          Obama gibt dazu den Anwesenden einige allgemeine Ratschläge: „Wenn Ihr voneinander lernt und Euch gegenseitig lehrt, dann könnt Ihr die Welt ändern“. Oder: „Ihr müsst das Gefühl bekommen, dass Ihr nicht alleine seid, sondern motiviert von denselben Werten und Visionen“. Oder: „Als ich ein junger Aktivist war, wollte ich immer hundert Prozent Erfolg“; doch dann habe sich gezeigt, dass das nicht gehe, dass vielmehr der Kompromiss das Wichtige sei in demokratischen und offenen Gesellschaften. Und schließlich und am Allgemeinsten: Wenn er sich selbst hätte einen Rat geben sollen vor einigen Jahrzehnten, dann sei dies der Ratschlag, sich trotz der Bedeutung der eigenen Tätigkeit nicht davon auffressen zu lassen, sondern an sich selbst zu denken: an den eigenen Schlaf, an Sport, an Zeit mit Freunden, an Zeit zum Lesen und zum Nachdenken So habe er, verrät Obama, das auch als Präsident gemacht; Sport am frühen Morgen, und um halb sieben abends immer gemeinsames Abendessen mit Michelle und den Kindern.

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