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Amerikas Geheimdienste : Obama: Gefahr durch Dschihadisten unterschätzt

  • Aktualisiert am

Barack Obama Bild: AP

Die amerikanischen Geheimdienste haben nach Ansicht von Präsident Obama eine Mitschuld daran, dass der radikal-islamische Extremismus durch den Bürgerkrieg in Syrien erstarken konnte. In einem Fernsehinterview räumt er Fehler im Vorgehen ein.

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          Die amerikanischen Geheimdienste haben nach den Worten von Präsident Barack Obama die potenzielle Gefahr der Extremistengruppe „Islamischer Staat“ (IS) in Syrien unterschätzt. Die Extremisten hätten sich das Chaos im syrischen Bürgerkrieg stärker zu nutzen gemacht als erwartet. Zugleich hätten die Geheimdienste die Schlagkraft der irakischen Armee im Kampf gegen die vorrückenden Dschihadisten überschätzt.

          So hätten sich die islamistischen Extremisten während der vergangenen Jahre in das Bürgerkriegsland Syrien zurückziehen und von dort eine Offensive starten können. Aus dem Irak vertriebene frühere Al-Qaida-Kämpfer hätten sich in Syrien sammeln und die Dschihadistengruppe IS gründen können, sagte Obama am Sonntag in einem Interview mit dem amerikanischen Sender CBS, das vorab in Auszügen veröffentlicht wurde. So habe Syrien ein „Ground Zero“ für Dschihadisten aus verschiedenen Ländern werden können. „Ich denke, der Chef unserer Geheimdienste, Jim Clapper, hat eingeräumt, dass sie das, was in Syrien vor sich ging, unterschätzt haben“, so Obama.

          „Dschihadistischer Quatsch“

          Auf die Frage, ob die Regierung die Fähigkeit oder den Willen der irakischen Truppen zum Kampf gegen den IS überschätzt habe, sagte er: „Das ist absolut richtig.“ Die Extremisten seien im Umgang mit sozialen Medien „sehr gerissen“ und würden Kämpfer aus Europa, den Vereinigten Staaten, Australien und muslimischen Ländern anlocken, „die an ihren dschihadistischen Quatsch glauben“, sagte Obama weiter.

          Am Wochenende hatte die von Amerika angeführte Anti-IS-Koalition ihre Angriffe auf Stellungen der IS-Miliz in Syrien und im Irak fortgesetzt. In der Nacht auf Sonntag bombardierte die Allianz im Norden Syriens nach Angaben von Aktivisten mindestens drei Ölraffinerien, die unter Kontrolle des IS stehen.

          Im Irak attackiert die amerikanische Luftwaffe den IS bereits seit Anfang August. Washington kann dabei auch auf eine immer breitere Unterstützung von europäischen Partnern zählen. Dazu gehören mittlerweile Frankreich, Großbritannien, Dänemark, Belgien und die Niederlande. Auch eine Allianz aus arabischen Ländern hat sich dem Kampf gegen den IS-Terror angeschlossen.

          Vergeltungsschläge gegen Anti-IS-Allianz angedroht

          Dagegen haben radikale Islamisten bereits mit Vergeltung für die anhaltenden Luftangriffe auf Stellungen der IS-Miliz und ihrer Verbündeten in Syrien gedroht. Die beteiligten Staaten seien nun zum Ziel für Gotteskrieger in aller Welt geworden, wie es von der Nusra-Front heißt.

          Ein Sprecher der radikal-islamischen Organisation sagte in einer im Internet veröffentlichten Audiobotschaft, es werde nicht Krieg gegen die Nusra-Front geführt, sondern gegen den Islam als Ganzes. „Dieser Krieg könnte Jahrzehnte dauern“, hieß es weiter. Es war die erste Reaktion der mit der Al-Qaida verbündeten Gruppe seit Beginn der Luftangriffe in Syrien am Dienstag. Zahlreiche Nusra-Kämpfer und Angehörige anderer radikal-islamischer Gruppen haben sich inzwischen dem IS angeschlossen.

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