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Obama, die Nato und Russland : Putin, hilf!

Die Nato hofft, dass der russische Präsident sie davor bewahrt, Dinge zu tun, die sie nicht tun will.

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          Die Nato ist schon wieder eine Enttäuschung: für jene, die meinen, sie trete dem wiedererwachten russischen Expansionsdrang nicht entschieden genug entgegen, wie auch für ihre ewigen Kritiker, die in dem Bündnis nur ein Instrument des amerikanischen Imperialismus sehen wollen, mit dem der alte Rivale eingekreist werden soll. Denn dass die Nato die Ukraine-Krise genutzt hätte, um dem russischen Bären endlich ganz nahe auf den Pelz zu rücken, kann man wirklich nicht sagen. Die Verlegung von ein paar Flugzeugen und Kompanien nach Polen und ins Baltikum stellte wie die bisher beschlossenen Wirtschaftssanktionen nur Symbolpolitik dar, mit der vor allem die Nerven jener Länder beruhigt werden sollten, die sich von Russland bedroht fühlen.

          Auch Obamas Ankündigung, eine Milliarde Dollar locker zu machen, um damit dauerhaft mehr Manöver auf dem Gebiet der östlichsten Nato-Mitglieder zu ermöglichen, geht qualitativ nicht über die bisherige Linie des Bündnisses hinaus, an den eigenen Grenzen Flagge zu zeigen. Polen fände es gut, wenn der Flaggenstock jedenfalls da und dort auf einem – am besten amerikanischen – Panzer aufgepflanzt wäre.

          Doch die Verlegung nennenswerter Kampfeinheiten nach Osten geht denjenigen in der Nato, die zu „Besonnenheit“ raten, zu weit. Im Westen des Bündnisses, der schon in Berlin anfängt, setzt man nach wie vor darauf, dass Putin zur „Besinnung“ kommt und auf weitere Aggressionen und Provokationen verzichtet. Auch Obama hat kein Interesse daran, irgendwo in dem ihn ohnehin nicht sonderlich interessierenden Europa einen Konflikt anzuheizen, der dauerhafte politische Aufmerksamkeit erforderte, militärische Kräfte bände und die Lösung anderer Krisen (Iran, Syrien) noch mehr erschwerte. Andererseits muss gerade er beweisen, dass er zu den Bündnisverpflichtungen und Sicherheitsgarantien Amerikas steht.

          Alles andere wird vertagt auf den Herbst in der Hoffnung, dass Putin doch noch in sich geht und die Nato davor bewahrt, Dinge zu tun, die sie nicht tun will: Truppen verlegen, Verteidigungsetats erhöhen, die Abschreckung stärken. Mancher in der Allianz scheint auch ganz froh zu sein, dass die Beantwortung der Frage, ob die Ukraine und Georgien Mitglieder werden sollen, erst einmal auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben worden ist. Da sage noch einer, es gebe keine Übereinstimmung mehr zwischen Moskau und dem Westen.

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