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Nulands „Fuck“-Fauxpas : Ganz schön blöd

Wenn schon eine amerikanische Spitzendiplomatin „einen Scheiß“ auf die Europäer gibt, wird Putin deren Abwesenheit bei Olympia gut verkraften. Und vermutlich sieht sich Russlands Präsident bestätigt.

          Ja, ja, diese Abhörerei. Nicht nur Kanzler und Kanzlerinnen können ihres Wortes nicht mehr sicher sein, sogar eine Abteilungsleiterin im amerikanischen Außenministerium muss damit rechnen, dass ihre Gespräche, inklusive Derbheiten, vor einem großen Publikum ausgebreitet werden.

          Das ist peinlich und es ist ungezogen, aber so richtig überrascht kann darüber eigentlich auch niemand sein in dieser real existierenden Welt, in der Abhören und Spionieren munter betrieben wird: von Amerikanern und Russen, von diesen und von jenen. Jetzt hat es eben Victoria Nuland getroffen und übrigens auch die deutsche EU-Diplomatin Helga Schmidt. Abhören ist witzig für die einen und blöd für die anderen.

          Abfällig, erhellend, befremdlich

          In der Sache selbst ist es ebenso erhellend wie befremdlich, wie abfällig sich die amerikanische Diplomatin, die sich vor Jahren als Nato-Botschafterin in Brüssel nicht nur Freunde gemacht hat, über die Ukraine-Politik jener europäischen Partner äußert, die das leitende Personal der Regierung Obama erst kürzlich wieder über den grünen Klee gelobt hat.

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          An der europäischen Politik gegenüber der Ukraine kann man sicher einiges aussetzen; aber es ist auch nicht so, dass die amerikanische Diplomatie den Stein der Weisen gefunden hätte. Tatsächlich fällt auch ihr nicht viel mehr ein als ein paar Sanktiönchen gegen das Regime in Kiew.

          Im Grunde braucht man sich auch gar nichts vorzumachen: Den Weg aus der verfahrenen, besorgniserregenden Lage müssen die Ukrainer im Wesentlichen selbst finden; was der Westen tun kann, damit es nicht zum Äußersten kommt, damit die Bevölkerung eine gedeihliche Perspektive hat, sollte er tun – Amerikaner und Europäer zusammen. Es ist daher nicht hilfreich, wenn die sich gegenseitig öffentlich herabsetzen. Aber letztlich ist das ein Indiz für den Zustand eines Verhältnisses, in dem seit Bekanntwerden der NSA-Ausspähaktivitäten viel böses Blut herrscht.

          Einer dürfte sich gewiss ins Fäustchen lachen: Russlands Präsident Putin. Wenn schon eine amerikanische Spitzendiplomatin „einen Scheiß“ auf die Europäer gibt, wird er deren Abwesenheit bei der Eröffnung der Olympischen Spiele in Sotschi gut verkraftet haben. Und er wird in Frau Nulands Bemerkung, die vermutlich Moskau verbreitet hat, eine Bestätigung der schlechten Meinung sehen, die er von den Europäern hat. Schön ist das nicht. Also keine abfälligen Bemerkungen über Partner am Telefon.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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