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Zschäpes Verteidigung : Keine Angst, sich unbeliebt zu machen

Die Verteidiger im NSU-Prozess (v. l. n. r.): Wolfgang Stahl, Wolfgang Heer und Anja Sturm Bild: dpa

Drei Rechtsanwälte verteidigen Beate Zschäpe im NSU-Prozess. Für sie war es eine „Haltungsfrage“, dieses Mandat zu übernehmen. „Man steht allein gegen alle“, sagt einer von ihnen. Aber auch die große Aufmerksamkeit könnte eine Rolle gespielt haben.

          Dass ihm die Querelen im NSU-Prozess den Schlaf rauben werden, glaubt Wolfgang Heer nicht. Auch wenn „die Nächte sicherlich kurz sein werden“. Der Strafverteidiger muss die Entscheidung, Beate Zschäpe zu verteidigen, aus nüchternen Überlegungen getroffen haben. Geld dürfte dabei kaum eine Rolle gespielt haben - die Anwälte von Beate Zschäpe sind als Pflichtverteidiger bestellt. Eher schon könnte die große Aufmerksamkeit, die den drei Juristen nun zuteil wird, eine Rolle gespielt haben. Sie könnte sich positiv auf ihren weiteren Werdegang auswirken. Doch auch das allein muss es nicht gewesen sein.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Heer ist, wie seine Kollegen auch, kein Berufsanfänger, er übernimmt immer wieder große Mandate. Zum Beispiel verteidigte er im vergangenen Jahr den Anklagten in einem der größten Betäubungsmittelverfahren, die je vor dem Landgericht Aachen verhandelt wurden. Die Annahme des Zschäpe-Mandats ist für Wolfgang Heer eine „Haltungsfrage“, wie er sagt. Denn hier kommt zum Tragen, was für ihn Reiz und Wesen der Strafverteidigung zugleich ist: „Man steht allein gegen alle.“

          Der „Kettenhund“ und der „Versöhnliche“

          Ganz allein wird Heer nicht sein. Nachdem man ihm im November 2011 das Mandat angetragen hatte, wurde kurz darauf auch sein Kollege Wolfgang Stahl beauftragt. Die beiden Strafverteidiger kennen sich seit Jahren, haben in mehreren großen Verfahren - wie dem Prozess in Aachen - zusammen verteidigt. Dass den beiden in Medienberichten schon Rollen für den künftigen Prozess zugeschrieben wurden - Heer sei der „Kettenhund“ und Stahl der „Versöhnlichere“ -, hören sie nicht gerne. Der Eindruck mag vielleicht nur entstehen, weil Heer nicht viele Worte macht, um seine Position darzulegen: Was zum Beispiel zu jenen inzwischen eingestellten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Zwickau zu sagen ist, dass auf Beate Zschäpes Computer kinderpornographisches Material sichergestellt worden sei? „Unsere Mandantin weist die Vorwürfe entschieden zurück“, sagt Heer. Mehr sagt er nicht, keine weiteren Ausführungen dazu, wie solche Beschuldigungen zu den Tatvorwürfen des Generalbundesanwaltes passen sollten.

          Heer und Stahl scheuen die Konfrontation im Gerichtssaal nicht. Sie würden sich beide eher nicht als den „konsensualen Typ“ des Strafverteidigers bezeichnen. „Manche Strafverteidiger scheinen immer sehr bemüht zu sein, Missstimmung im Gericht um jeden Preis zu vermeiden“, sagt Stahl. „Man darf keine Angst haben, sich unbeliebt zu machen“, sagt Heer. Andererseits müsse man auch erkennen, wann es für den Mandanten sinnvoll sei, das offene Gespräch mit dem Gericht und der Staatsanwaltschaft zu suchen. Ähnlich sieht das auch Anja Sturm. Die Strafverteidigerin, die in einer Berliner Kanzlei arbeitet, kennt Wolfgang Stahl und Wolfgang Heer von vielen Fachtagungen. Dort habe man schnell gemerkt, dass die Einstellung stimme. So rate sie zum Beispiel ihren Mandanten eher dazu, wie ihre Kollegen auch, vor Gericht zu schweigen - wenn das Ziel der Freispruch ist. Denn das Schweigen sei nicht relevant für die Beweiswürdigung.

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