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Weiteres Attentat? : Die Sprengstoffanschläge des NSU

  • -Aktualisiert am

Der erste Mordversuch? In der Toilette dieser Nürnberger Gaststätte explodierte 1999 eine Rohrbombe Bild: picture alliance / dpa

Schon 1998 entdeckte die Polizei in einer Garage in Jena Rohrbomben. Danach tauchten Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos unter. Der Sprengstoffanschlag in Nürnberg 1999 war womöglich auch das Werk der NSU.

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          Die Spur des Sprengstoffanschlags in Nürnberg im Jahre 1999, der möglicherweise das Werk des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) war, führt in die Geschichte der Terrorgruppe zurück. Als die Polizei am 26. Januar 1998 eine Garage in Jena, die Beate Zschäpe angemietet hatte, durchsuchte, stieß sie auf ein Bombenarsenal: eine fertige und vier im Bau befindliche Rohrbomben, eine aus einer Blechdose gefertigte Bombe, eine Zündvorrichtung, bei der ein Wecker verwendet worden war, und 1,4 Kilogramm TNT-Gemisch.

          Es war der Tag, an dem Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos untertauchten. Vorausgegangen waren Versuche, mit Bombenattrappen Angst und Schrecken zu verbreiten. In der Nacht des 13. April 1996 wurde eine lebensgroße Puppe mit einem Davidstern und der Aufschrift „Jude“ an einer Autobahnbrücke in der Nähe von Jena aufgehängt, die mit einer Bombenattrappe verbunden war. Gegen Zschäpe und Böhnhardt wurde deshalb ermittelt; das Verfahren gegen Zschäpe wurde eingestellt, Böhnhardt in einem Berufungsverfahren freigesprochen. Die Bundesanwaltschaft ist mittlerweile überzeugt, dass die beiden zusammen mit Mundlos die Täter waren.

          Briefbombenattrappen verschickt

          Zum Jahreswechsel 1996/1997 gingen in Jena bei der Polizei, der Stadtverwaltung und der Thüringer Landeszeitung Briefbombenattrappen ein. Die Bundesanwaltschaft schreibt sie Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos zu   – wie auch drei Kofferbombenattrappen; bei einer war ein Benzinkanister in Dämmwolle eingepackt und mit Granitsplitt befüllt.

          Bei dem Sprengstoffanschlag 1999 in einem Lokal in Nürnberg, das ein türkischer Gastronom betrieb, war nach damaligen Zeitungsberichten ein 18 Jahre alter Mann, der sich durch Putzarbeiten Geld verdiente, in der Toilette auf einen Gegenstand gestoßen, den er für eine Taschenlampe hielt.

          Als er sie anknipsen wollte, wurde er durch eine Explosion an Oberkörper, Gesicht und Armen verletzt. Warum die Tat nicht mitgeteilt wurde, als der Generalbundesanwalt während der NSU-Ermittlungen die Generalstaatsanwälte der Länder nach Taten fragte, bei denen ein Zusammenhang zur Terrorgruppe bestehen könnte, ist noch unklar. Allerdings ist erst im Münchner NSU-Prozess bekannt geworden, dass Böhnhardt und Mundlos damit geprahlt haben, sie hätten in Nürnberg eine „Taschenlampe“ abgestellt.

          Ermittlungen wegen versuchten Mordes

          Die Bundesanwaltschaft bejaht inzwischen einen Anfangsverdacht, dass der Nürnberger Anschlag dem NSU zuzurechnen ist. Das Bundeskriminalamt ist mit Ermittlungen wegen versuchten Mordes beauftragt worden.

          Bislang sind neben zehn Morden, die mit einer Pistole begangen wurde, zwei Sprengstoffanschläge angeklagt. Im Dezember 2000 sollen Böhnhardt und Mundlos einen Sprengsatz, der in einer Christstollendose eingebaut war, in einem Lebensmittelgeschäft eines Iraners in Köln deponiert haben; bei der Explosion wurde die 19 Jahre alte Tochter des Inhabers schwer verletzt. Im Juni 2004 sollen Böhnhardt und Mundlos eine mit Nägeln bestückte Bombe in Köln vor ein türkisches Friseurgeschäft gestellt haben; als sie detonierte, erlitten 22 Menschen teilweise lebensgefährliche Verletzungen.

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