https://www.faz.net/-gpf-85q9d

NSU-Prozess : Zschäpe schaute Videos über Mordfall Kiesewetter

So schwungvoll wie zu Prozessbeginn: Beate Zschäpe kommt in den Gerichtssaal. Bild: dpa

Die Hauptangeklagte im Münchner NSU-Verfahren soll sich vor JahrenVideos über den Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter angesehen haben. Ein weiteres Indiz für „Täterwissen“?

          1 Min.

          Beate Zschäpe soll nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung über die Videoplattform Youtube einen Beitrag über den Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter angeschaut haben. Die Hauptangeklagte im NSU-Verfahren habe den Beitrag über ihren Computer aufgerufen, als das Verbrechen aus dem Jahr 2007 von der Polizei noch gar nicht dem NSU zugeordnet worden war. Der Beitrag über den Mord sei in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen....XY ungelöst“ gezeigt worden.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Nach Bekanntwerden des NSU hätten die deutschen Ermittler, so die Zeitung, dann ein Rechtshilfeersuchen an die amerikanischen Behörden gestellt, um die Nutzerdaten zu Zschäpes Konto bei Youtube zu erhalten. Diese Daten zu Zschäpes Nutzerkonto „Liese 1111“ sind dem Bericht zufolge nun „vor kurzem“ den deutschen Ermittlern übermittelt worden. Dabei habe sich angeblich herausgestellt, dass Zschäpe über Youtube 784 Videos angeschaut habe. Die meisten Videos hätten sich mit dem Thema „Porno“ und „Pornoindustrie“ befasst. Allerdings seien viele Beiträge auch rechtsradikalen Inhaltes gewesen.

          „Täterwissen“ in der Anklage

          Die Bundesanwaltschaft bestätigte am Mittwoch nur, dass man im Zuge der Ermittlungen ein Nutzerkonto unter dem Namen „Liese 1111“ gefunden habe, das Beate Zschäpe zugeordnet worden sei. Im Jahr 2012 erfolgte daraufhin ein Rechtshilfeersuchen an die Vereinigten Staaten. Als Antwort habe man jedoch lediglich die Auskunft erhalten, es lägen keine Verkehrsdaten zu dem Konto vor. Nähere Angaben zu dem Zeitungsbericht machte die Sprecherin des Generalbundesanwaltes nicht.

          Das „Täterwissen“, das Beate Zschäpe laut „Bild“-Zeitung mit diesen Video-Aufrufen offenbare, findet sich jedoch auch schon in der Anklage. So wird ihr vorgeworfen, an einem „Zeitungsarchiv“ mitgearbeitet zu haben, das Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe zu den Morden erstellt hätten. Hierfür hätten sie Zeitungsartikel, die über die Verbrechen informierten, gesammelt. Auch in dem sogenannten Bekennervideo, das Beate Zschäpe nach Auffliegen des NSU verschickt haben soll, sind Aufnahmen von einem Trauermarsch für die ermordete Polizistin zu sehen.

          Weitere Themen

          Teste mich, wer kann

          FAZ Plus Artikel: Engpass vor dem „Exit“ : Teste mich, wer kann

          Die Ärztekammer verlangt, dass viel mehr Menschen auf Corona getestet werden – doch der Verband der Laborärzte hält das für nicht machbar. Scheitert der „Exit“ an der Labor-Logistik?

          Topmeldungen

          Abstrich zur Corona-Analyse: Ein Mann lässt sich in Köln auf den Erreger Sars-CoV-2 testen.

          Engpass vor dem „Exit“ : Teste mich, wer kann

          Die Ärztekammer verlangt, dass viel mehr Menschen auf Corona getestet werden – doch der Verband der Laborärzte hält das für nicht machbar. Scheitert der „Exit“ an der Labor-Logistik?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.