https://www.faz.net/-gpf-8bgfy

NSU-Prozess : Wohlleben: Ich wurde streng erzogen

  • Aktualisiert am

Will nichts von den Morden gewusst haben: Ralf Wohlleben im NSU-Prozess (Aufnahme aus dem Juli) Bild: dpa

Hausarrest als Kind, eine Ausreißer-Tour mit Uwe Böhnhardt, eine stabile Ehe - der mutmaßliche NSU-Unterstützer Ralf Wohlleben beantwortet Fragen des Gerichts über sein Privatleben.

          2 Min.

          Einen Tag nach seiner umfassenden Aussage im Münchner NSU-Prozess hat der angeklagte frühere NPD-Funktionär Ralf Wohlleben bereitwillig erste Fragen des Gerichts beantwortet. Das Gericht beschränkte sich am letzten Verhandlungstag vor der Weihnachtspause auf Fragen über Wohllebens persönliche Verhältnisse; zum Tatvorwurf selbst soll er erst von Mitte Januar an befragt werden. Dann werden auch die schriftlichen Antworten der Hauptangeklagten Beate Zschäpe auf die umfangreichen Nachfragen des Gerichts erwartet.

          Während der Kindheit seien seine Eltern recht streng mit ihm gewesen, sagte Wohlleben aus. So habe er abends immer um 18.30 Uhr wieder daheim sein müssen. „Wenn ich nicht pünktlich war, wurde das sanktioniert – Hausarrest und solche Sachen.“ Als Siebzehnjähriger sei er einmal ausgerissen, zusammen mit Jungen aus seiner Clique. Auch Uwe Böhnhardt, einer der beiden späteren mutmaßlichen NSU-Mörder, sei dabei gewesen. Gemeinsam seien sie zuerst mit der Bahn von Jena nach Gera gefahren. Dort hätten sie zwei Autos gestohlen, mit denen sie bis zur deutsch-österreichischen Grenze gefahren seien. Die Autos hätten sie in einem Steinbruch abgestellt und seien dann zu Fuß nach Österreich gelaufen. Dort habe die Polizei sie aufgegriffen und zurückgebracht.

          Wohlleben: Unterstützung von der Ehefrau

          Zu seinen politischen Aktivitäten als NPD-Funktionär seit den neunziger Jahren stellte das Gericht am letzten Verhandlungstag zwar ebenfalls keine Fragen, sie spielten aber dennoch eine Rolle, als sich der Vorsitzende Richter Manfred Götzl nach Wohllebens Berufstätigkeit erkundigte. Er habe ein Praktikum bei einer Computerfirma absolviert und an einer Webseite für ein Autohaus mitgearbeitet, antwortete der Angeklagte. Im Gästeforum der Webseite habe jemand einen Eintrag über Wohllebens politische Tätigkeit hinterlassen. Das Autohaus habe darüber seinen Chef in der Computerfirma informiert. Der wiederum „wollte nicht ins Fadenkreuz irgendwelcher antifaschistischer Aktivitäten geraten“ und habe ihm darum keine feste Stelle gegeben.

          Über sein Verhältnis zu seiner Ehefrau sagte er: „Ich würd’s als sehr gut bezeichnen.“ Das sehe man daran, „dass sie mich hier unterstützt und in der Haft besucht“. Seine Frau hatte während der bisher 252 Verhandlungstage immer wieder als Angeklagtenbeistand neben ihm im Gericht gesessen. Wohlleben ist einer der fünf Angeklagten des Verfahrens. Die Bundesanwaltschaft hält ihm vor, die wichtigste Mordwaffe des NSU vom Typ „Ceska“ organisiert zu haben. Mit dieser Pistole sollen neun der zehn NSU-Mordopfer erschossen worden sein. Laut Anklage soll er außerdem eine „steuernde Zentralfigur“ hinter dem NSU gewesen sein.

          Beides hatte Wohlleben in seiner Aussage am Mittwoch zurückgewiesen, nachdem er bis dahin geschwiegen hatte. Der Prozess soll am 12. Januar weitergehen. Dann will das Gericht weitere Fragen an Wohlleben und Zschäpe richten. Zschäpe hatte ihr jahrelanges Schweigen in der vergangenen Woche aufgegeben. Am Donnerstag tagte gleichzeitig in Berlin zum ersten Mal der zweite NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestags.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Sandra Maischberger

          TV-Kritik „Maischberger“ : Durcheinander als Unterhaltung

          Nun wird Sandra Maischberger künftig mehrere Themen einer Woche aufgreifen und in wechselnder Besetzung erörtern. Auch der neue Anlauf wirkt nicht überzeugend. Das gilt für das Arrangement ebenso wie für die Details.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.