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NSU-Verfahren : Carsten S. gibt Waffenkauf für NSU-Trio zu

  • Aktualisiert am

Der Angeklagte Carsten S. im Mai im Münchner Gerichtssaal. Anders als Beate Zschäpe will er aussagen. Schon vor Jahren war er aus der Neonazi-Szene ausgestiegen. Bild: dpa

Carsten S. hat im NSU-Prozess zugegeben, eine Waffe für die mutmaßlichen Neonazi-Terroristen besorgt zu haben. Dass die Pistole für Morde benutzt werden könnte, habe er nie geglaubt, betonte der 33-Jährige.

          Im NSU-Prozess hat ein Angeklagter einen Waffenkauf für die mutmaßlichen Neonazi-Terroristen gestanden. Der 33 Jahre alte Carsten S. gab am Dienstag am fünften Verhandlungstag vor dem Oberlandesgericht München zu, eine Pistole mit Schalldämpfer besorgt zu haben - mit einer solchen Waffe der Marke „Ceska“ wurden neun Geschäftsleute ausländischer Herkunft ermordet.

          Dass die Pistole für Morde benutzt werden könnte, habe er nie geglaubt, betonte der 33-Jährige. Er sei davon ausgegangen, dass damit „nichts Schlimmes passiert“. Er habe ein „positives Gefühl“ gehabt, was die drei - Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe - anging, „dass das in Ordnung ist“. Die Anklage wirft ihm hingegen vor, er habe damit rechnen müssen, dass die Waffe für die Tötung von Menschen eingesetzt werden sollte.

          Carsten S.: Geld für die Waffe kam von Wohlleben

          Die Hauptangeklagte Beate Zschäpe muss sich wegen Mittäterschaft bei sämtlichen Taten des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) verantworten, darunter die Morde an türkisch- und griechischstämmigen Kleinunternehmern sowie einer Polizistin, zwei Sprengstoffanschläge und 15 Raubüberfälle. Die Mitangeklagten Ralf Wohlleben und Carsten S. stehen wegen Beihilfe zum Mord vor Gericht, Holger G. und André E. wird Unterstützung des NSU vorgeworfen. Neben Carsten S. will nur Holger G. aussagen.

          Das Geld für die Waffe habe ihm Wohlleben gegeben, sagte Carsten S.. Er habe dem Trio die Waffe dann in einem Abbruchhaus übergeben. Der Sozialpädagoge, der zuletzt für die Aidshilfe Düsseldorf arbeitete, ist seit langem aus der Neonazi-Szene ausgestiegen und hatte schon im Ermittlungsverfahren umfangreiche Angaben gemacht.

          Carsten S. war nach seinen Angaben in seiner Heimatstadt Jena auf der Suche nach Anschluss und Anerkennung und verunsichert durch seine damals geheim gehaltene Homosexualität zur rechten Szene gekommen. Dort gab es auch einen Mann, der ihm gefiel. „Er hat mir imponiert, hat mir gefallen. Deswegen habe ich mich mit ihm angefreundet.“ Der damals Jugendliche stieg in der NPD und der Jugendorganisation JN schnell auf und sollte unter anderem Landeschef der JN für Thüringen werden - das habe er aber abgelehnt und sei Stellvertreter geworden.

          Damals habe er nicht nachgefragt

          Er könne sich an drei, vier frühere Kontakte mit Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe erinnern. Nach dem Untertauchen der drei habe ihn Wohlleben gebeten, den Kontakt zu halten. Er habe Telefonkontakt gehabt, teils sei Wohlleben dabei gewesen. Dieser hörte der Aussage wie Zschäpe ohne größere Regung zu, teils machten sich beide Notizen.

          Es habe auch Aufträge des Trios gegeben, etwa die Order, ein Motorrad zu besorgen, sagte Carsten S. Das sei aber nach dem Diebstahl gleich wieder gestohlen worden - „und das war uns auch ganz recht“. „Damit blieb uns das erspart, einen Transporter zu mieten und das irgendwo hinzufahren.“

          In einem anderen Fall sei er in eine Wohnung eingebrochen, um dort Akten und Dokumente zu holen. Er habe mehrfach gegen die Tür getreten, „dass das ganze Haus gerumst hat“. „Dann hab ich die Sachen eingepackt, wie sie es mir beschrieben hatten.“ Die Akten seien im Fluss versenkt und die Papiere vergraben worden. „Ich denke heute, die Aktion ist nicht richtig schlüssig.“ Doch damals habe er nicht nachgefragt - ebenso wenig wie bei der Pistole. „Ich hatte so ein Gefühl, die drei armen Verfolgten, denen muss man helfen.“ Aus seiner Erinnerung sei der Schalldämpfer nicht bestellt gewesen, sondern es habe einfach keine andere Waffe gegeben. Eigentlich hätte er auch ein deutsches Fabrikat besorgen sollen.

          Zschäpe-Verteidiger fordern Einstellung des Verfahrens

          Die Verteidigung der Hauptangeklagten Beate Zschäpe hatte zuvor eine Einstellung des Verfahrens wegen angeblicher Vorverurteilung verlangt. Beate Zschäpe sei von Vertretern staatlicher Stellen unter anderem als „Mitglied einer Mörderbande oder Terrorgruppe“ bezeichnet worden, „ohne dass in den Äußerungen überhaupt zum Ausdruck kam, dass es sich um einen Tatverdacht handelt“, sagte Verteidigerin Anja Sturm vor dem Oberlandesgericht München. Auch die Ermittlungen gegen die 38 Jahre alte Zschäpe seien unter der Prämisse geführt worden, „die Mittäterschaft zu belegen“. Dies sei „eine evidente wie eklatante Missachtung der Unschuldsvermutung“.

          Die Hauptangeklagte Beate Zschäpe am Dienstag im Gerichtssaal

          „Aufgrund der gezielten, von den Strafverfolgungsbehörden selbst gesteuerten und betriebenen Vorverurteilung unserer Mandantin“ sei ein rechtsstaatlicher, fairer Prozess nicht mehr durchführbar. Zeugen seien durch „ein bestimmtes meinungsbildendes Klima beeinflusst“ worden, sagte die Verteidigerin. Auch in den parlamentarischen Untersuchungsausschüssen sei „eine manifeste Vorverurteilung“ vorgenommen worden. Die Verteidigung begründete ihren Antrag zudem damit, dass nicht alle Akten vorgelegt und auch Akten vernichtet  worden seien. Das Verfahren müsse „wegen unheilbarer  Verfahrenshindernisse“ eingestellt werden, sagte Frau Sturm.

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