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NSU-Prozess : Zschäpe will sich zum Mordfall Peggy K. äußern

Die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe vor Gericht. Bild: dpa

Das Landgericht München hat die Hauptangeklagte im NSU-Prozess zum Mordfall Peggy K. und zu Kinderpornographie befragt. Beate Zschäpes Verteidiger kündigt eine schriftliche Erklärung seiner Mandantin an.

          Im NSU-Verfahren hat am Mittwoch der Vorsitzende Richter die Angeklagte Beate Zschäpe nach Informationen zum Fall der getöteten Peggy K. gefragt. Er wolle wissen, sagte der Vorsitzende Richter Manfred Götzl, ob Zschäpe über Kenntnisse verfüge, die noch nicht über die Medien bekannt geworden seien. Zschäpes Verteidiger Hermann Borchert kündigte eine schriftliche Erklärung seiner Mandantin an. Hintergrund der Frage des Gerichts ist ein vermuteter Zusammenhang zwischen dem Mord an der neunjährigen Schülerin Peggy K. und dem Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt. Das Mädchen war am 7. Mai 2001 spurlos in ihrem Heimatort Lichtenberg in Oberfranken verschwunden. Im Juli diesen Jahres fand man ihre sterblichen Überreste in einem Waldstück in Thüringen.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Vor zwei Wochen war bekannt geworden, dass an einem Stück Stoff, das in der Nähe der sterblichen Überreste gefunden worden war, eine DNA-Spur von Uwe Böhnhardt gesichert wurde. Die Ermittler prüfen nun, ob eine Tatbeteiligung Böhnhardts in Frage komme. Auch wird nach wie vor untersucht, ob die DNA-Spur nicht doch auf eine Verunreinigung des Asservats mit DNA-Material Böhnhardts zurückzuführen ist.

          Auch ein Antrag, den die Nebenklägervertreter Seda Basay und Mehmet Daimagüler am Mittwoch stellten, stützte sich auf die neuen Erkenntnisse. In dem Antrag fordern sie, die Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft Bayreuth im Fall Peggy K. zu den Verfahrensakten hinzuzuziehen. Der Antrag der Nebenklägervertreter wird vor allem mit dem Verdacht begründet, dass das Trio seinen Lebensunterhalt „auch durch Kinderpornographie“ finanziert habe. Als Erklärung dafür nennen die Nebenklägervertreter die DNA-Spur von Uwe Böhnhardt sowie die Sicherstellung von „kinderpornographischem Material“ auf einem Computer aus der Wohnung von Böhnhardt, Zschäpe und Mundlos in Zwickau.

          Auch das Gericht hatte zuvor Beate Zschäpe danach gefragt, wer diesen Computer genutzt habe und ob auf den Bildern Kinder und Jugendliche zu sehen seien. Gegen Zschäpe hatte in diesem Zusammenhang schon 2012 die Staatsanwaltschaft Zwickau wegen des Besitzes kinderpornographischer Schriften ermittelt. Im Dezember 2012 waren die Ermittlungen jedoch wieder eingestellt worden, da eine eventuell zu erwartende Strafe im Hinblick auf die voraussichtliche Strafe im NSU-Verfahren nicht ins Gewicht fallen würde. Gegenstand der Ermittlungen waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft damals vier oder fünf „sehr kleine Bilder in schlechter Qualität“ mit „wohl strafbaren Abbildungen“. Laut Staatsanwaltschaft Zwickau konnten jedoch die Bilder „keiner konkreten Person“ zugeordnet werden.

          In dem Antrag der Nebenklägervertreter wurde darüber hinaus auch Uwe Mundlos als möglicher Tatbeteiligter in dem Fall ins Spiel gebracht. So könne er als Verfasser eines „Hassbriefes mit rechtsextremen Hintergrund“ in Betracht kommen, der elf Tage nach dem Verschwinden des Kindes an Peggys Mutter geschickt worden sein soll. In dem Brief „soll darauf angespielt worden sein“, so der Antrag, dass die Mutter mit einem türkischen Mann zusammenlebe. Dieses Schreiben könne deshalb von Mundlos stammen, da dieser „aufgrund einer Rechtschreibschwäche“ immer maschinengeschriebene Schreiben verschickt habe. Der in dem Antrag vermutete Zusammenhang ist jedoch in Ermangelung handfester Beweise vage: Es wird nicht erwähnt, ob Schriftbild und Diktion des Briefes schon analysiert wurden. Zudem gibt es zu den Inhalten dieses Briefes bislang keine von Ermittlern bestätigten Erkenntnisse, was die Nebenklägervertreter auch mit ihren unbestimmt gehaltenen Formulierungen zum Ausdruck bringen.

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