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NSU-Prozess : Zschäpe: Ich war machtlos gegen Böhnhardt und Mundlos

„Sie ließen sich von mir nicht beeinflussen. Sie ließen sich von mir auch nichts sagen“: Beate Zschäpe über Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos Bild: dpa

Im NSU-Verfahren hat Beate Zschäpe ihre Antworten auf die Fragen des Gerichts durch den Verteidiger verlesen lassen. Darin belastet sie den Chef der rechtsextremen Gruppierung von „Blood and Honor“ in Sachsen, Jan W., Böhnhardt und Mundlos eine Waffe beschafft zu haben.

          Der Verteidiger von Beate Zschäpe, Herman Borchert, hat am Donnerstag im NSU-Verfahren die Antworten Zschäpes auf die Fragen des Gerichts verlesen. Darin belastet Zschäpe Jan W., den Chef der rechtsextremen Gruppierung von „Blood and Honor“ in Sachsen, eine Waffe für Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos besorgt zu haben. Bei dieser Waffe sei damals auch „von einem Schalldämpfer“ die Rede gewesen. Den ebenfalls angeklagten Ralf Wohlleben, der die Tatwaffe, die über einen Schalldämpfer verfügte, besorgt haben soll, erwähnte sie hierbei nicht. Weder habe sie gewusst, so Zschäpe, welche Waffen Böhnhardt und Mundlos besorgt hätten, noch wie viele Waffen sich tatsächlich in der Wohnung in der Frühlingsstraße befunden hätten. „Jeder hatte ein eigenes, abschließbares Zimmer.“ Darin habe jeder machen können, was er wolle. Sie habe auch nie in Schubladen nachgeschaut.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Beate Zschäpe belastete auch den wegen Unterstützung ebenfalls angeklagten Andre E.. Sie schilderte, dass E. ihr am 4. November 2011 geholfen habe, nachdem sie die Wohnung in der Frühlingsstraße in Brand gesetzt hatte. Er habe ihr Kleidung seiner Frau gegeben, da ihre Sachen „so stark nach Benzin“ gerochen hätten. Während des dreizehnjährigen Zusammenlebens mit Böhnhardt und Mundlos hätten sie sich regelmäßig mit E. und dessen Frau Susann getroffen. Auch bei einer Anmietung eines Wohnmobils im Oktober 2011 sei das Ehepaar E. samt Kindern dabei gewesen. Mit den Kindern habe sie sehr gerne Zeit verbracht, weil sie selber „keine eigenen Kinder“ habe bekommen können.

          Mundlos war wie ein Bruder, „Böhnhardt habe ich geliebt“

          Ihre Jahre mit Böhnhardt und Mundlos schilderte Zschäpe als „Extremsituation“. Nach den Angaben trank Zschäpe, wenn die beiden Männer unterwegs waren, oft zwei bis drei Flaschen Sekt am Tag. Die Männer hätten hingegen Alkoholkonsum abgelehnt. Zschäpe hob abermals hervor, dass sie die Morde und auch die Anwendung von Gewalt immer „abgelehnt“ habe. Böhnhardt und Mundlos hätten sich gegenseitig „blind vertraut“. Das Verhältnis zwischen ihr und Mundlos bezeichnete Zschäpe als das Verhältnis zwischen „Bruder und Schwester“. „Und Uwe Böhnhardt habe ich geliebt.“ Er sei aufbrausend und oft auch ihr gegenüber handgreiflich geworden. Sie habe seine „schlechten Seiten“ jedoch verdrängt.

          Auf die Frage des Gerichts, was sie mit dem Misstrauen der Männer ihr gegenüber gemeint habe, lautete Zschäpes Antwort: „Böhnhardt sagte, dass man sich bei mir nicht sicher sein könnte, ob ich nicht doch singen würde.“ Da Böhnhardt so schlechte Erfahrungen im Gefängnis gemacht habe, habe er gemeint, dass sie dem psychischen Druck durch die Polizei nicht würde widerstehen können. Sie habe nach den Morden versucht, beide Männer von weiteren Taten abzuhalten. Aber sie hätten mit Antworten wie „ein Ali weniger“  reagiert.

          Zschäpe am Donnerstag im Saal im Oberlandesgericht in München

          Böhnhardt habe vor dem Untertauchen eine „Überfremdung“ durch Ausländer gefürchtet und oft von „Kanaken“ und „Dreckstürken“ gesprochen. Während des Untertauchens hätten sie aber kaum noch über politische Inhalte gesprochen. Zu dem Mord an der Polizistin in Heilbronn könne sie nicht mehr angeben. Die beiden Männer hätten ihr nur gesagt, um an Waffen zu kommen, sei es einfacher, einen ahnungslosen Polizisten zu überfallen als ein Waffengeschäft.

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