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NSU-Prozess : Weiteres Indiz gegen Zschäpe

Die Angeklagte Beate Zschäpe betritt den Gerichtssaal in München Bild: dpa

Benzinspuren beweisen laut Gutachtern, dass der Brand in der Zwickauer Wohnung der mutmaßlichen NSU-Terroristen vorsätzlich gelegt wurde. Laut Anklageschrift reagierte Zschäpe damit auf den Selbstmord von Böhnhardt und Mundlos.

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          Im NSU-Verfahren hat am Mittwoch ein Brandgutachter ausgesagt, dass der Brand in der Zwickauer Wohnung der mutmaßlichen NSU-Terroristen vorsätzlich gelegt worden sei. Laut der Anklageschrift soll Beate Zschäpe ihre Wohnung in der Frühlingsstrasse nach dem Selbstmord von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos im November 2011 in Brand gesetzt haben. Die Bundesanwaltschaft wirft ihr in dem Zusammenhang unter anderem schwere Brandstiftung und versuchten Mord an ihrer Nachbarin vor.

          Karin Truscheit
          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Nach den Aussagen des Physikers vom bayerischen Landeskriminalamt ist der Brand am 4. November 2011 durch ein leicht entzündliches „Brandlegungsmittel“ gelegt und vermutlich mit einem Feuerzeug entzündet worden. Dadurch seien Nachbarn und alle Personen, die sich in der Nähe hätten aufhalten können, in hohem Maße in Gefahr gebracht worden. Gas sei als Ursache auszuschließen, da sich sonst der Brand langsamer entwickelt hätte.

          Ebenso schloss der Gutachter auch technische Ursachen wie „Zigarettenkippen“ oder „Öl in der Pfanne“ aus. Bei diesen Brandursachen gebe es keine Explosionen, wie sie jedoch in dieser Wohnung vorgekommen seien. Die leicht entzündliche Flüssigkeit müsse großflächig verschüttet worden sein. An 22 Stellen innerhalb der Wohnung hätten Spürhunde angeschlagen. Die Proben seien untersucht worden, und in 19 dieser Proben aus dem Bad, der Küche, dem Wohnzimmer, Schlafzimmer und „Katzenzimmer“ habe man Benzin festgestellt.

          Die Explosion hat sich nach den Angaben gegen 15.08 Uhr ereignet, dabei wurde eine Außenwand herausgesprengt. „Schon durch die Gesteinsbrocken hätten Passanten oder Handwerker vor dem Haus tödlich verletzt worden können“, sagte der Gutachter am Mittwoch. Zudem habe sich die Trennwand zur Nachbarwohnung verschoben, in der Wand hätten sich auch Risse gebildet. „Durch die Risse haben giftige Rauchgase in diese Wohnung eindringen können.“ Zudem hätte die Wand einstürzen können. Es reiche, wenn man zwei oder drei Minuten diesen giftigen Gasen ausgesetzt sei, um in Lebensgefahr zu gelangen.

          In der Nachbarwohnung hielt sich zu dem Zeitpunkt der Explosion die hochbetagte Nachbarin auf. Die Frau wurde schon wenige Minuten nach der Explosion in Sicherheit gebracht. Auch hätte der Brand auf das Treppenhaus sowie Nachbargebäude übergreifen können.

          Die Verteidigung von Beate Zschäpe sprach hingegen von einer „hypothetischen Gefährdung“. Verteidiger Wolfgang Stahl fragte den Gutachter, woher er denn wisse, dass die Wand zur Nachbarwohnung habe einstürzen können. Der Gutachter sagte daraufhin, dass er das „stark vermuten“ würde, da die Wand ja schon Risse aufgewiesen habe.

          „Der Täter hat eine Luntenspur bis zur Tür gelegt“

          In der Wohnung breitete sich nach den Angaben das Feuer sehr rasch aus, viele Zimmer, wie das Schlafzimmer, das Katzen- und Sportzimmer, brannten vollständig aus. Der Gutachter führte weiter aus, dass in der Wohnung in der Nähe der Wohnungstüre ein fast völlig entleerter Zehn-Liter-Benzinkanister gefunden worden sei. Hier sei vermutlich auch der Brand entzündet worden, dafür spreche der Ort, an dem der Benzinkanister gefunden worden sei: „Der Täter hat eine Luntenspur bis zur Tür gelegt, damit er sie dann anzünden kann, wahrscheinlich mit einem Feuerzeug.“ Es sei schwierig, die Zündquelle genau zu benennen, sagte der Gutachter. Offene Flammen, Funken oder heiße Oberflächen könnten auch in Frage kommen. Der Herd sei nachweislich ausgeschaltet, allerdings sei der Toaster angeschlossen gewesen.

          Es ist nach seinen Worten relativ viel Benzin verschüttet worden, die Zeitdauer zwischen Verschütten und Anzünden war kurz, weil es im Flur keine Explosion gegeben hat. Denn wenn das Benzin nach einer Zeit verdunste, bildeten sich „Wolken“, die zu einer Explosion führen können. „Wenn der Täter an der Tür gezündet hat, dann hätte der Täter die besten Chancen gehabt, unversehrt zu entkommen.“

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