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NSU-Prozess : Nebenkläger wollen Zschäpe-Brief verlesen lassen

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Schweigsam aber schreibfreudig: Beate Zschäpe Bild: dpa

Vor Gericht schweigt Beate Zschäpe. In einem Brief an einen Dortmunder Neonazi hat sie dagegen auf 26 Seiten ihre Gefühlslage ausgebreitet. Zudem wird vermutet, Beate Zschäpe habe in dem Brief auch politische Codes verborgen.

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          Die Nebenkläger im Münchner NSU-Prozess verlangen, einen Brief der Hauptangeklagten Beate Zschäpe an einen Dortmunder Neonazi in das Verfahren einzuführen. „Es ist an der Tagesordnung, dass beschlagnahmte Briefe von Häftlingen verlesen werden. So ein Brief kann die Persönlichkeit der Angeklagten aufhellen“, sagte Rechtsanwalt Jens Rabe der „Süddeutschen Zeitung“. Die Münchner Anwältin Angelika Lex regte an, den Brieffreund als Zeugen zu laden.

          Der lange, handschriftliche Brief war bei der Kontrolle von Zschäpes Post nicht beanstandet worden, weil das Oberlandesgericht München die teilweise sehr persönlichen Zeilen offenbar für irrelevant hielt. Beschlagnahmt wurde das Schreiben erst in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Senne. Dort verbüßt der Neonazi, der laut SWR der verbotenen „Hilfsorganisation Nationaler Gefangener“ (HNG) angehört haben soll, zurzeit eine mehrjährige Haftstrafe wegen räuberischer Erpressung.

          In dem Brief, der auch der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt, schreibt Zschäpe unter anderem über ihren Alltag in der Haft, ihre Vorführung beim Haftrichter des Bundesgerichtshofes (BGH) und ihre Sorge, bereits vorverurteilt zu sein. Außerdem schildert sie in längeren Passagen ihre Gefühle. Vor Gericht hat die 38-Jährige bislang jede Aussage verweigert.

          „Außergewöhnlicher“ Briefverkehr

          Die Vertreter der Nebenkläger halten den Brief auch deshalb für bedeutsam. „Diese Frau hat kein Ego-Problem“, sagte der Berliner Anwalt Mehmet Daimagüler der „SZ“. Sein Kollege Sebastian Scharmer äußerte die Vermutung, dass Zschäpe in dem Brief auch politische Codes verborgen haben könnte. „Plötzlich schreibt sie darüber, dass man bei 18 Grad nicht frieren wolle. Das ergibt an dieser Stelle keinen Sinn.“ Die Zahl 18 wird in der Neonazi-Szene oft als Synonym für Adolf Hitler verwandt, weil A der erste und H der achte Buchstabe im Alphabet sind.

          In dem Brief erwähnt Zschäpe, dass sie den Dortmunder Neonazi erst zwei Monate kenne. In einem Schreiben des nordrhein-westfälischen Innenministeriums an die Bundesanwaltschaft heißt es jedoch, der „außergewöhnliche“ Briefverkehr könne Anhaltspunkte dafür geben, dass sich die beiden bereits vorher kannten.

          Den Terroristen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) wird auch ein Mord in Dortmund zur Last gelegt - insgesamt sind es zehn, neun davon an türkisch- und griechischstämmigen Kleinunternehmern. Zschäpe ist angeklagt als Mittäterin bei sämtlichen NSU-Anschlägen.

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