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NSU-Prozess : Mutter von Böhnhardt spricht Angehörigen Mitgefühl aus

Brigitte Böhnhardt am ersten Tag ihrer Zeugenaussage am Dienstag Bild: dpa

Die Mutter des Terroristen Uwe Böhnhardt hat sich am zweiten Tag ihrer Aussage an die Hinterbliebenen der Opfer gewendet. Sie dankte auch der Angeklagten Beate Zschäpe für den Anruf, in dem sie vom Tod des Sohnes berichtete.

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          Die Mutter des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt, Brigitte Böhnhardt, hat am Mittwoch den Hinterbliebenen der Mordopfer ihr Mitgefühl ausgesprochen. „Ich empfinde tiefes Mitgefühl, denn ich weiß wohl am ehesten, wie man sich fühlt, wenn man jahrelang nicht weiß, was mit einem Angehörigen geschehen ist“, sagte Böhnhardt während ihrer Zeugenaussage im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München. Nach ihrer Aussage am Vortag war Böhnhardt in Medienberichten mangelndes Mitgefühl mit den Opfern unterstellt worden. Bei der Angeklagten Beate Zschäpe bedankte sich Böhnhardt für einen Anruf vom 5. November 2011. Zschäpe habe gegen sieben Uhr morgens angerufen, um sie über den Tod ihres Sohnes zu informieren. Böhnhardt wandte sich an Zschäpe und sagte: „Danke, dass Du es gemacht hast.“ Zschäpe zeigte keine Regung.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Das Telefonat sei der erste und letzte Kontakt nach einem Treffen mit dem damals schon im Untergrund lebenden Trio im Jahr 2002 gewesen. Zschäpe habe gesagt, dass Uwe tot sei. Auf Brigitte Böhnhardts Frage, wie er denn ums Leben gekommen sei, habe sie geantwortet: „Hören Sie doch mal die Nachrichten, gestern in Eisenach ist etwas passiert, da geht es um diesen Wohnwagen, und das sind die beiden Jungs.“ Sie hätten sich erschossen, weil sie „keinen Ausweg“ gesehen hätten. Sie habe zudem gesagt, dass sie jetzt auch noch die Eltern von Uwe Mundlos anrufen müsse. Es sei „abgesprochen“ gewesen, dass der Überlebende die Eltern informiere.

          „Sie waren gleichberechtigt, Freunde“

          Auf die Frage einer Nebenklägervertreterin nach dem Verhältnis der drei „Untergetauchten“ untereinander sagte Brigitte Böhnhardt: „Ich kann Ihnen nicht sagen, wer dominant war. Sie waren gleichberechtigt, Freunde. Beate hat gekocht, und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die beiden Männer von Beate hätten dominieren lassen.“ Ihr Sohn sei mit Zschäpe liiert gewesen, sie hätten einen verliebten Eindruck gemacht. Zschäpe sei eine nette junge Frau gewesen, sie habe sich nie „szenemäßig“ gekleidet. Dass Zschäpe zuvor die Freundin von Mundlos gewesen sei, habe offenbar niemanden gestört.

          Zudem berichtete Brigitte Böhnhardt, dass sie bei den Treffen mit ihrem Sohn, Mundlos und Zschäpe während ihrer Flucht einmal mitbekommen habe, dass sich das Trio offenbar in Sachsen versteckt halte. Uwe Mundlos habe gesagt, dass sie es „in Thüringen wohl nicht geschafft hätten, unterzukommen“. Da habe sie auf Sachsen geschlossen. Dass jedoch eine Nichte von ihr, die sie früher bei Urlaubsreisen mit ihrer Familie öfter besucht habe, in dem Stadtteil in Rostock wohne, in dem einer der NSU-Morde verübt worden sei, sei reiner Zufall.

          Während der Flucht der drei habe sie auch einmal einen Vorschuss für angebliche Anwaltskosten von Beate Zschäpe bezahlt, die sich zu diesem Zeitpunkt angeblich habe stellen wollen. Doch von dem Anwalt oder dem Geld habe sie nie wieder etwas gehört. Auch von einer Vollmacht von Beate Zschäpe für diesen Anwalt habe sie nie etwas gewusst.

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