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NSU-Prozess : Mutter von Böhnhardt gibt Behörden Schuld

  • Aktualisiert am

Als Zeugin vor Gericht: Brigitte Böhnhardt, die Mutter des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt Bild: dpa

Die Mutter des toten NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt, der sich vor zwei Jahren - verfolgt von der Polizei - mutmaßlich das Leben nahm, gibt den Behörden in Thüringen eine Mitschuld an der Mordserie des rechtsextremen Trios.

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          Die Mutter des mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt hat den Behörden in Thüringen die Verantwortung für die Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) gegeben. Im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München sagte Brigitte Böhnhardt am Dienstag aus, Staatsanwaltschaft und Verfassungsschutz hätten 1999 Zusagen gebrochen. „Wenn die Behörden zu ihrem Wort gestanden hätten, dann hätten wir alle drei überreden können, sich zu stellen,“ sagte sie.

          Laut Brigitte Böhnhardt hatten sie und ihr Mann über einen als Mittelsmann fungierenden Rechtsanwalt Kontakt zu Staatsanwaltschaft und Verfassungsschutz. Dabei seien Zusagen für Strafmilderungen gemacht worden, um das Trio zur Aufgabe zu bringen. Diese Zusagen seien im Frühjahr 1999 und damit fast eineinhalb Jahre vor dem ersten NSU-Mord zurückgezogen worden. „Ich stelle mir immer wieder vor, was alles hätte verhindert werden können, wenn man zu seinem Wort gestanden hätte,“ sagte Brigitte Böhnhardt. In diesem Fall „wäre all das nicht geschehen“.

          Die Angeklagte Beate Zschäpe Mitte November im Münchner Gerichtssaal

          Den vor zwei Jahren mutmaßlich durch Suizid ums Leben gekommenen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos sowie der in München angeklagten Beate Zschäpe wird vorgeworfen, als NSU aus ausländerfeinlichen Motiven zehn Morde und zwei Bombenanschläge verübt zu haben. Zschäpe ist im NSU-Prozess zusammen mit vier mutmaßlichen Helfern des Trios angeklagt.

          Das Trio war 1998 untergetaucht, nachdem die Polizei in einer Garage Rohrbomben und Sprengstoff gefunden hatte. Böhnhardt war zu dieser Zeit bereits vorbestraft. Laut seiner Mutter kam es nach dem Untertauchen zu telefonischen Kontakten zu ihrem Sohn. Im Herbst 1998 habe sich dann der Rechtsanwalt als Behördenmittelsmann gemeldet. Außerdem hätten sie und ihr Mann 800 D-Mark für einen Rechtsanwalt bezahlt, der Zschäpe vertreten wollte.

          „Auch Beate Zschäpe war bereit, sich zu stellen“

          Wie Frau Böhnhardt sagte, habe der Anwalt von einer möglichen Strafe von zehn Jahren Haft für ihren Sohn gesprochen. Diese könne aber auf fünf Jahre halbiert werden, falls er sich stelle. Bei guter Führung könne er dann nach zweieinhalb Jahren aus dem Gefängnis kommen. Dieses Angebot habe sie dann auch an ihren Sohn weitergegeben. Ihr Sohn habe zwar nicht ins Gefängnis zurück gewollt. „Zumindest hat er uns glauben lassen, dass er darüber nachdenkt und auch mit seinen Freunden redet,“ beschrieb Brigitte Böhnhardt die Reaktion.

          Wie die pensionierte Lehrerin sagte, waren sowohl Zschäpe als auch ihr Sohn bereit, sich zu stellen. Nur Uwe Mundlos habe „dem von Anfang an nicht getraut, und er sollte ja auch Recht bekommen“. Brigitte Böhnhardt gestand ein, dass sie und ihr Mann das Trio mit Geld unterstützt hätten. Über Boten hätten sie 1998 und Anfang 1999 jeweils Beträge von 500 D-Mark weitergeleitet, damit die drei sich Essen kaufen können.

          Gleichzeitig hätten sie bei allen Telefonaten und Treffen weiter versucht zu erreichen, dass sie sich stellen. „Als sie sich dann dagegen entschieden haben, sich zu stellen, haben wir klipp und klar gesagt, dann gibt es kein Geld mehr.“ Dies sei im Frühjahr 1999 gewesen.

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